Nikolaus Schneider
Nikolaus Schneider
Nikolaus Schneider bei Papst Franziskus
Nikolaus Schneider bei Papst Franziskus

03.09.2017

Nikolaus Schneider wird 70 "Mein Leben hat seine Knickstellen"

Nikolaus Schneider feiert am Sonntag seinen 70. Geburtstag - und domradio.de durfte als einer der ersten gratulieren. Im Interview spricht er über seine Beziehung zu Gott und er verrät, was er sich für die beiden Kirchen wünscht.

domradio.de: Guten Morgen, Herr Schneider und herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag! Sie selber sagen von sich, dass Sie ein "aktiver Opa" sind. Gibt es deswegen heute noch eine Kindergeburtstagsfeier mit den vielen Enkeln?

Nikolaus Schneider (ehemals Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland): Ja, alle fünf Enkel, die Kinder und die Schwiegerkinder sind da. Sie merken: Ich bin ein Mensch, der sehr in der Familie und in Beziehungsnetzen lebt, die durch Familie und Kirche gegeben sind; das geht ja so ineinander über. Heute wird es in der Tat eine schöne Kindergeburtstagsfeier geben. Wir haben auch ein paar Spiele für die Kinder dabei, aber die machen auch Musik und werden sicher etwas für mich singen. Ich freu mich schon drauf. 

domradio.de: Sie haben in Ihrem Leben viele Dinge erlebt, die eine sehr große Herausforderung waren und sind. Aus einem schlimmen Schicksalsschlag entstand das Buch "Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist: Leben und Glauben mit dem Tod eines geliebten Menschen". Maike, Ihre jüngste Tochter, starb mit 22 Jahren an Krebs. Sie sagen: "Eine lebendige Gottesbeziehung hält es aus, dass wir fragen, zweifeln, kämpfen und weinen."

Schneider: Das ist auch so. Das kann man aber nicht einfach so machen, sondern nur erfahren - nur leben. Es ist schon auch so, dass auch ich durchaus Zeiten des Haderns mit Gott kenne und dass ich Zeiten kenne, in denen ich nach dem Warum frage. Diese Verletzungen trage ich in mir. Ich wusste aber auch immer, an wen ich mich in solchen Zeiten wenden konnte. Als unsere Tochter starb, waren meine Frau und ich dabei. Das ist wirklich eine abgründige Situation gewesen. Ich konnte das nur durchstehen, weil ich die Erfahrung gemacht hatte, dass ich gehalten werde. Diese Gotteserfahrung ist nie abgebrochen; ich habe sie immer gespürt. Denn man muss es selbst erfahren, dass Gott denen nahe ist, die ein zerbrochenes Herz haben. Übrigens: Im Evangelischen gibt es ja Losungen und der Wochenspruch für heute trifft das gut: "Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen." Mein Leben hat seine Knickstellen und ist auch ganz schon angekokelt, aber es ist von Gott bewahrt.

domradio.de: Wie haben Sie es in Ihrem Leben geschafft, diese Gottesbeziehung lebendig zu halten?

Schneider: Das sind die täglichen Übungen der Frömmigkeit. Mir haben aber auch Menschen geholfen, die mir Gott vermitteln; an erster Stelle meine Frau und meine Familie - aber auch Menschen aus den Kirchen. Und zwar aus beiden Kirchen, das sage ich ausdrücklich, denn es ich habe auch Freundschaften aus der katholischen Kirche, die mir ausgesprochen gut getan haben. Außerdem haben das Feiern von Gottesdiensten und das Beten geholfen. Ich sage es mal so: Es ist eine lebendige Beziehungspflege wie zwischen zwei Menschen. Wenn man die Beziehung zu einem Menschen nicht pflegt, wenn ich mich nicht für den anderen interessiere, zuhöre und mit ihm spreche, dann schläft auch die Beziehung ein. Mit Gott ist das nicht anders.

domradio.de: Sie machen das zusammen mit Ihrer Frau Anne, die ist pensionierte Religionslehrerin. Auch Anne war an Krebs erkrankt, weshalb Sie im Sommer 2014 Ihre Ämter niedergelegt haben. Wie geht es Ihrer Frau?

Schneider: Das ist eines der größten Geschenke! Vergangene Woche war wieder eine Kontrolluntersuchung: Der Krebs hält im Augenblick völlige Ruhe, wir können die Zeit miteinander genießen und sie ist so langsam wieder die Alte. Die Haare haben jetzt eine andere Farbe, aber sie sind echt, Anne gibt auch schon Widerworte und streitet gerne mit mir rum; ich erkenne sie also wieder.

domradio.de: Heute werden Sie 70, und wenn Sie zurückblicken auf Ihr aktives Mitwirken am Kirchengeschehen: Sind Sie zufrieden?

Schneider: Ja, das bin ich. Ich sag mal, es gab und gibt natürlich Baustellen. Da halte ich es mit dem schönen Wort von Luther: "Das christliche Leben ist weniger ein Christsein, als mehr ein Christwerden." Wir sind auch immer dabei, Kirche zu werden. Diese Baustellen gibt es. Aber wissen Sie, ich kann gut damit leben, dass ich nicht mehr in Sitzungen und Kommissionen rumhänge und dort diskutiere, aber ich denke und empfinde noch mit und es gibt eine Menge, dass ich mir in unseren beiden Kirchen besser vorstellen kann; nicht zuletzt wünsche ich mir, dass unsere Ökumene weiterkommt.

domradio.de: Wo sehen Sie die Ökumene denn in 10 Jahren, wenn Sie 80 werden?

Schneider: Wenn ich - so Gott will - den 80.Geburtstag feiern kann, dann würde ich mich wünschen, dass ich am Sonntag in einen ökumenischen Gottesdienst gehen kann und dass wir am Sonntag auch das Abendmahl feiern.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(dr)

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