Simultankirchen vereinen Konfessionen
Simultankirchen vereinen Konfessionen
Der katholische Pfarrer Hans Zeltsperger und der evangelische Pfarrer Konrad Schornbaum (v.l.n.r.)
Der katholische Pfarrer Hans Zeltsperger und der evangelische Pfarrer Konrad Schornbaum (v.l.n.r.)
Der evangelische Pfarrer Konrad Schornbaum (l) und der katholische Pfarrer Hans Zeltsperger stehen am vor der Simultankirche Corpus-Christi in Eschenfelden
Der evangelische Pfarrer Konrad Schornbaum (l) und der katholische Pfarrer Hans Zeltsperger stehen am vor der Simultankirche Corpus-Christi in Eschenfelden

05.06.2017

Wie Simultankirchen Konfessionen vereinen Ökumene mal anders

Katholiken und Protestanten nutzen dieselben Kirchengebäude? Die Idee der Simultankirchen ist viele Jahrhunderte alt - und könnte ein Modell für die Zukunft sein.

 Im bayerischen Eschenfelden hat das Zusammenleben der Konfessionen einen besonderen Stellenwert: Protestanten und Katholiken teilen sich in dem kleinen Ort in der Oberpfalz ein Gotteshaus. Die Corpus-Christi-Kirche ist eine sogenannte Simultankirche. Das bedeutet: Gottesdienste werden im Wechsel gefeiert, die Nebenkosten werden geteilt, und auf dem angrenzenden Friedhof werden sowohl katholische als auch evangelische Gemeindemitglieder bestattet. In Zeiten ökumenischer Annäherung und schwindender Mitgliederzahlen könnte das ein Zukunftsmodell sein.

Deutschlandweit gibt es nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz noch etwa 70 Simultankirchen, unter anderem auch in Hildesheim und Freiburg. Die Idee des Simultaneums geht ins 17. Jahrhundert zurück, als der Pfalzgraf Christian August von Sulzbach in seinem Herzogtum die beiden Konfessionen einander näherbringen und jahrzehntelange religiöse Unruhen befrieden wollte. "Das war zu der Zeit eine sehr fortschrittliche Idee", erzählt Konrad Schornbaum, der evangelische Pfarrer von Eschenfelden: "Auch eine Einbindung der jüdischen Gemeinden, wie von Christian August wenig später eingeführt, war damals alles andere als selbstverständlich."

Spannungen in den Gemeinden

Die Idee des Pfalzgrafen führte jedoch auch immer wieder zu Spannungen in den Gemeinden. So berichtet Schornbaum, dass in der nahe gelegenen Gemeinde St. Marien in Sulzbach einmal der Taufstein in der Kirche von beiden Konfessionen jeweils mit einem Eisenschloss verhängt wurde: "Der war dann über Jahrzehnte nicht nutzbar."

Heute ist das anders: "Das Zusammenleben hier ist störungsfrei", berichtet Schornbaum. Und auch sein katholischer Kollege Hans Zeltsperger betont: "Wir verstehen uns gut und unterstützen uns hier gegenseitig." Schornbaum selbst bewohnt das Pfarrhaus im knapp 400-Seelen-Nest Eschenfelden, wo rund 85 Prozent Protestanten wohnen.

Zeltsperger betreut aus dem nahe gelegenen Edelsfeld insgesamt sechs Filialkirchen und hält nur zwei bis drei Gottesdienste im Monat in der Corpus-Christi-Kirche. Die Heiz- und Nebenkosten teilt man sich nach dem Anteil der Glaubensgemeinschaften in der Ortschaft auf: Die Protestanten bezahlen 85 Prozent.

Optisch kein großer Unterschied

Die Corpus-Christi-Kirche lässt sich laut Pfarrer Schornbaum bis ins 14. Jahrhundert zurückdatieren, optisch unterscheidet sie nicht viel von anderen herkömmlichen Dorfkirchen. "Für eine evangelische Kirche ist es lediglich etwas ungewöhnlich, dass ein ewiges Licht und drei Tabernakel vorhanden sind", meint Schornbaum. Einmal im Jahr feiern die beiden Konfessionen eine ökumenische Lichtmessfeier, dazu kommen Schulgottesdienste oder Vereinsjubiläen.

Katholiken und Protestanten haben sich lange angefeindet. Im 500. Jahr nach der Reformation ist die ökumenische Annäherung vorangeschritten. In diesem Frühjahr baten beide Kirchen einander in einem Versöhnungsgottesdienst dafür um Vergebung.

Modell für die Zukunft

Aus Schornbaums Sicht wären Simultankirchen daher nicht nur ein Modell für die Zukunft, um mit den sinkenden Besucherzahlen in den Gottesdiensten umzugehen: In den vergangenen zehn Jahren hat allein die Evangelische Kirche Deutschland mehr als drei Millionen Gläubige verloren. Und der Trend hält an. Auch aus theologischer Perspektive findet Schornbaum den Gedanken der Simultankirchen wichtig: "Es gibt doch nichts Besseres für die Ökumene der Konfessionen als zu zeigen, dass man eine gemeinsame Kirche hat."

David Hutzler
(dpa)

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