Weltausstellung Reformation startet in Wittenberg
Weltausstellung Reformation startet in Wittenberg
Lutherdenkmal in Wittenberg
Lutherdenkmal in Wittenberg

20.05.2017

Was die Weltausstellung Reformation in diesem Sommer zu bieten hat Bühne frei in Wittenberg

Der Ursprungsort der Reformationsbewegung wird zum Festivalgelände: 16 Wochen lang soll die Weltausstellung Reformation in Wittenberg eine Freiluftbühne für die großen Fragen der Zeit sein.

Seit Anfang Mai verändert sich Wittenberg mit jedem Tag. Wo eben noch Bagger gegraben haben, liegt plötzlich frisch ausgerollter Rasen. Aus Holz und Stahl und Lehm wachsen in den ehemaligen Wallanlagen Pavillons und Bühnen. Für mehr als 100 Veranstaltungen pro Woche sollen sie vom 20. Mai bis 10. September Platz bieten: Andachten und Podiumsdiskussionen, Workshops, Klassik- und Popkonzerte. Mit dem Start der Weltausstellung anlässlich des 500. Reformationsjubiläums am Samstag wird die Wittenberger Altstadt von sieben Themengebieten umgeben sein, den "Toren der Freiheit".

"Perspektivwechsel"

Wer am Hauptbahnhof mit dem Rundgang um die Lutherstadt herum beginnt, kann zunächst den "Perspektivwechsel" wagen. Im Mantel einer bedruckten Plane sieht der Aussichtsturm aus wie die im vergangenen Jahr erschienene Neuauflage der Lutherbibel. Das Plateau in 25 Metern Höhe bietet sowohl einen Überblick über die Altstadt mit ihren vielen Kirchtürmen als auch auf den grünen Gürtel der Wallanlagen. Auch der Platz für den Truck des Europäischen Stationenweges, der am Samstagvormittag offiziell begrüßt wird, ist im Willkommensbereich vorgesehen. Er zeigt Reformationsgeschichten, die er aus verschiedenen Ländern mit nach Wittenberg bringt. Daneben schicken alle Stationen der vergangenen Monate Städtebanner nach Sachsen-Anhalt. Von ihnen wird der Fußweg vom Bahnhof in die Innenstadt flankiert.

Zu den Themen Spiritualität, Jugend, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, Globalisierung, Kultur sowie Ökumene und Religion haben Institutionen aus Politik und Gesellschaft verschiedene Orte zum Innehalten, Lernen und zum Austausch geschaffen, zum Beispiel das "House of One" als interreligiöses Begegnungszentrum und die Stege am Bunkerberg neben dem Lutherhaus zur Selbsterfahrung und Meditation.

Segen und Erlebnis

Auch die Landeskirchen aus dem Verbund der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) tragen mit eigenen Projekten zur Weltausstellung bei. So ließen die Bayern im Torraum Ökumene einen Garten entstehen, der aus jedem Jahrhundert seit Martin Luther einen Reformator der bayerischen Kirchengeschichte vorstellt. Hannover schuf einen "Erlebnis-Raum", in dem sich Besucher mit der Bedeutung der Taufe auseinandersetzen und an ihr eigenes Christwerden erinnern lassen können. Einen weiteren Erlebnisraum bietet die Landeskirche Hessen und Nassau rund um das Thema "Segen". Neben ihrer preisgekrönten "LichtKirche", die für Trauungen und Taufen gebucht werden kann, soll im Torraum Globalisierung der Segens-Roboter "BlessU-2" zur Diskussion über Digitalisierung und die Vermenschlichung von Maschinen anregen.

Dienstags ist Ruhetag auf der Weltausstellung, was aber keine Langeweile bedeuten muss. Vier Besuchermagnete der Lutherstadt sollen durchgehend geöffnet sein: Das Riesenrad "Zwischen Himmel und Erde" in den südlichen Wallanlagen dreht sich für Aussicht- und Gesprächsuchende gleichermaßen, denn auf Wunsch steigt ein Seelsorger mit in die Gondel. Yadegar Asisis Panorama "Luther 1517" lädt zu einem Rundgang durch das damalige Wittenberg ein. Und auch die beiden Kunstausstellungen am Ost- und am Westende der Altstadt haben Dauerbetrieb.

Die Zahl 95

Da sind das Lutherhaus mit der Nationalen Sonderausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" sowie der Mitmachausstellung "Der Mönch war's!", die nicht nur Kindern einen spielerischen Zugang zum 31. Oktober 1517 ermöglicht - dem Tag, an dem Luther der Überlieferung nach seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche nagelte. Im Alten Gefängnis hingegen haben mehr als 65 internationale Künstler die ehemaligen Zellen zu kleinen Welten umgestaltet, in denen es um die künstlerische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts geht.

Als "das vielfältigste Event zum 500. Reformationsjubiläum und eine der größten Veranstaltungen im Jahr 2017" haben die Organisatoren des Reformationssommers ihre Schau unter freiem Himmel angekündigt. Von dem Ergebnis jahrelanger Vorbereitungen können sich Besucher ab diesem Samstag immer mittwochs bis montags zwischen 10 und 18 Uhr selbst überzeugen.

Christina Özlem Geisler
(epd)

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