Der Gynäkologe Denis Mukwege
Der Gynäkologe Denis Mukwege
LWB-Generalsekretär Martin Junge
LWB-Generalsekretär Martin Junge

12.05.2017

Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes Plädoyer für Menschenrechte

In Namibia diskutieren rund 400 Lutheraner über die Rolle der Christen in einer sich immer schneller wandelnden Welt. Dabei geht es auch um interne Spannungen innerhalb der Gemeinschaft von 145 Kirchen aus fast 100 Ländern.

Der Lutherische Weltbund (LWB) hat Gewalt gegen Frauen verurteilt. Vor der im namibischen Windhuk tagenden zwölften Vollversammlung des kirchlichen Dachverbandes rief der kongolesische Menschenrechtsaktivist und Gynäkologe Denis Mukwege die Kirchen dazu auf, sich mehr für die Rechte von Frauen einzusetzen.

Dass etwa die Vergewaltigung von Frauen selbst im 21. Jahrhundert noch systematisch als Kriegswaffe eingesetzt werde, sei eine Barbarei, sagte Mukwege. Überall auf der Welt würden Frauen diskriminiert, auch in reichen Industrienationen.

"Gewaltige Herausforderungen"

LWB-Generalsekretär Martin Junge sagte in seinem Bericht vor den rund 400 Delegierten: Die Welt stehe an einem kritischen historischen Moment. Es gebe eine starke Tendenz zu Polarisierung und hin zu einfachen Antworten, die allerdings selten hielten, was sie versprächen. Menschen würden immer empfänglicher für Populismus, Manipulation und Fremdenfeindlichkeit, kritisierte der chilenische Theologe.

Vor allem die wachsende Zahl an Flüchtlingen weltweit auf noch nie zuvor erreichte 63,5 Millionen stelle die Religionen vor gewaltige Herausforderungen, sagte Junge. Besorgt zeigte er sich über den Umgang mit den Flüchtlingen, deren Menschenrechte oftmals infrage gestellt würden. "Eine Welt ohne Menschenrechte jedoch wird zwangsläufig alptraumhafte Züge annehmen", warnte Junge.

Kritik an Rückschritten

In seinem Bericht sprach Junge auch die Frauenordination an, auf die sich der LWB bereits in den 1980er Jahren verpflichtet hatte. Junge kritisierte Rückschritte: So habe die Lutherische Kirche in Lettland die Frauenordination im vergangenen Jahr abgeschafft, nicht nur praktisch, sondern habe dies auch in der Kirchenverfassung verankert.

Der LWB sei aber zu Gesprächen bereit und werde die Einladung der lettischen Kirchen nach der Vollversammlung zu einem Treffen annehmen, kündigte Junge vor Journalisten an. "Wir lassen einander nicht los. Wir sind in einem andauernden Dialog." Derzeit ordinieren seinen Angaben zufolge 119 der 145 Mitgliedskirchen Frauen.

"Potential von Frauen nutzen"

Zum Thema Gewalt gegen Frauen kritisierte der Mediziner Mukwege in seinem Hauptvortrag, auch in reichen Industrienationen geschehe Unrecht an Frauen - von Sexismus und Diskriminierung bis hin zu Gewalt und Mord. Jeden dritten Tag etwa werde in Frankreich eine Frau von ihrem Partner getötet. Die Kirche könne hier etwa im Bereich Bildung und Erziehung Präventionsarbeit leisten. Es sei die Aufgabe der Erben Martin Luthers "machistische Dämonen auszutreiben", appellierte Mukwege an die rund 400 Delegierten.

Er bezeichnete es als "Verschwendung für unsere Welt", das Potenzial von Frauen nicht zu nutzen und ihnen nur die "Fortpflanzungsrolle im Dienste der Männer" zuzuschreiben. In dieser Degradierung liege auch die Wurzel der sexuellen Gewalt gegenüber Frauen, betonte der Arzt, der im Kongo Tausende Frauen nach einer Vergewaltigung operiert hatte. Für sein Engagement hat der 62-Jährige bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem den Menschenrechtspreis der Vereinten Nationen.

Die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes dauert bis 16. Mai. Unter den Teilnehmern sind auch viele Deutsche. Der LBW repräsentiert nach eigenen Angaben rund 74 Millionen Christen in 98 Ländern und 145 Kirchen.

(epd)

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