Irmgard Schwaetzer und Heinrich Bedford-Strohm
Irmgard Schwaetzer und Heinrich Bedford-Strohm

04.04.2017

Irmgard Schwaetzer wird 75 Streitbar und liberal

Erst war sie Apothekerin in der Industrie, dann FDP-Ministerin im Bundeskabinett. Ihre dritte Karriere macht Irmgard Schwaetzer als Präses der EKD-Synode. Bis 2021 hat die Parlamentspräsidentin noch Pläne für ihre Kirche.

Sie ist Parlamentarierin durch und durch: Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, saß 22 Jahre lang im Deutschen Bundestag. Unter ihrem Ehenamen Adam-Schwaetzer wurde sie als Bundesministerin deutschlandweit bekannt. Am 5. April wird die streitbare Liberale 75 Jahre alt.

Die Nähe zu den Freien Demokraten erlebt Irmgard Schwaetzer im Elternhaus. Ihr Vater, Finanzbeamter und ehemaliges NSDAP-Mitglied, wendet sich nach dem Krieg der FDP zu. "Mein Kindheitsbild eines Politikers war Theodor Heuss - nie Konrad Adenauer", erinnert sie sich. Geboren in Münster, wächst Irmgard Schwaetzer mit vier älteren Brüdern im katholisch geprägten Warburg in Ostwestfalen auf, wo die Protestantin auf ein katholisches Mädchengymnasium geht. "Das Gefühl für Minderheiten war mir schon früh vertraut."

Eintritt in die FDP

Es folgen ein Pharmazie-Studium, die Approbation als Apothekerin und die Promotion über hochwirksame Schmerzmittel. Bis 1980 arbeitet Schwaetzer in der Industrie. 1975 tritt sie in die FDP ein, für die sie schon fünf Jahre später in den Bundestag einzieht. Von 1980 bis 2002 gehört sie dem Parlament an.

Blickt sie auf ihre politische Karriere zurück, waren für sie die Jahre der deutschen Wiedervereinigung die prägendsten. Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) holt Schwaetzer 1987 als Staatsministerin ins Auswärtige Amt. Auf dem Weg zur Einheit muss sie vor allem die europäischen Partner einbinden. "Wir wussten, dass der Prozess kein Selbstläufer ist", sagt sie. Aber das Engagement bis an den Rand der Kräfte ist ohne Alternative: "Wir waren alle dermaßen angetörnt", schmunzelt sie heute.

1991 übernimmt sie die Leitung des Bauressorts mit der Mammutaufgabe des Aufbaus im Osten. Wenn sie heute in sanierte Städte wie Görlitz, Meißen oder Quedlinburg kommt, erfüllt es sie mit Stolz, damals für Weichen gestellt zu haben. Vor einem zu stark historisierenden Wiederaufbau warnt sie allerdings: "Man muss sehr aufpassen, dass das nicht in die falsche Richtung geht." Bis 1994 steht sie an der Spitze des Bauministeriums, und 1992 sah es sogar kurz so aus, dass sie Genscher als Außenministerin folgen könnte.

Doch nach parteiinternen Querelen machte Klaus Kinkel (FDP) das Rennen.

Mit dem Hauptstadtvotum des Bundestags beschließt Irmgard Schwaetzer, auch privat ihren Lebensmittelpunkt vom Rhein an die Spree zu verlegen. "Mein Entschluss fiel am Abend des Bundestagsentscheids für Berlin - bei 'Ossi' in der Bar." Sie ist nach zwei Ehen ungebunden, Kinder hat sie nicht. 2002 tritt Schwaetzer nicht mehr zur Bundestagswahl an.

Präses der EKD-Synode

In Berlin engagiert sie sich in der Friedrich-Naumann-Stiftung und in der evangelischen Kirche. Zehn Jahre lang ist sie Vorsitzende des Domkirchenkollegiums des Berliner Doms, einer der renommierten Gemeinden der Hauptstadt. Als Delegierte fährt sie 2013 zur EKD-Synode in Düsseldorf, als Vorsitzende des Kirchenparlaments kehrt sie zurück. Überraschend ist sie zur Nachfolgerin von Katrin Göring-Eckardt gewählt worden, nachdem weder der frühere CSU-Politiker Günther Beckstein noch die Bremer Juristin Brigitte Boehme die nötige Mehrheit auf sich vereinen konnten.

2015 wurde Schwaetzer von der Synode als Präses wiedergewählt, bis 2021 geht die Amtszeit. Ihre politische Erfahrung bringt sie selbstbewusst in das kirchliche Ehrenamt ein. Wie schon Göring-Eckardt verleiht sie dem Präsesamt ein starkes Gewicht im Zusammenspiel mit den Spitzen des Rates EKD und der kirchlichen Administration.

Schwaetzer hat klare Vorstellungen für den Weg der evangelischen Kirche auch nach dem 500. Reformationsjubiläum im laufenden Jahr. Die Stärkung der Ehrenamtlichen und der Gemeinden vor Ort ist eines ihrer großen Anliegen. Über gelebtes Christentum erreiche die Kirche mehr als nur über das Reden. "Die Kirche muss ganz sicher diakonischer werden", ist Schwaetzer überzeugt. Im Berliner Dom, ihrer Gemeinde, erwartet sie ihre Geburtstagsgäste am 5. April zur regulären Mittagsandacht.

Thomas Schiller
(epd)

Sonderseite zur DBK-Vollversammlung

Die deutschen Bischöfen treffen sich ab Montag in Fulda: Themen sind u.a. die neue Missbrauchsstudie und der Weltjugendtag in Panama.

Live: Vollversammlung der Bischofskonferenz

Gottesdienste und Pressekonferenzen im Live-Stream!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Aktuell: Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 25.09.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Augsburger Religions- und Landfriede
    25.09.2018 09:10
    Anno Domini

    Augsburger Religions- und Land...

  • Dom zu Fulda: Hier finden die Gottesdienste der Vollversammlung statt
    26.09.2018 07:30
    Gottesdienst

    Herbst-Vollversammlung der Deu...

  • Lukasevangelium
    26.09.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 9,1–6

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen