Devid Striesow als Martin Luther und Karoline Schuch als Katharina von Bora
Devid Striesow als Martin Luther und Karoline Schuch als Katharina von Bora
Schloss Reinhardsbrunn in Friedrichroda, Drehort des Fernsehfilms "Katharina Luther"
Schloss Reinhardsbrunn in Friedrichroda, Drehort des Fernsehfilms "Katharina Luther"

21.02.2017

Schauspieler Devid Striesow im ARD-Film "Katharina Luther" "Im Osten zu wenig Religionswissen"

Die ARD widmet sich in einem Fernsehfilm der Ehefrau Martin Luthers, Katharina von Bora. Die Produktion "Katharina Luther" ist am 22. Februar um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Schauspieler Devid Striesow spricht über seine Rolle und die Religion.

epd: Herr Striesow, nach "Der Prediger" und dem Pilgerfilm "Ich bin dann mal weg" spielen Sie mit Luther nun zum dritten Mal eine religiöse Figur. Sind Sie auch ein religiöser Mensch?

Devid Striesow (Schauspieler): Religiöse Figuren zu spielen hat nichts damit zu tun, dass man religiös sein muss. Ich finde, das ist eine komplett falsche Herangehensweise, die Figuren, die man spielt, mit der Persönlichkeit in Verbindung zu bringen. Also ich würde den Zusammenhang an dieser Stelle mal kappen. Ich spiele auch Mörder und habe keinen umgebracht. Ich spiele eine Rolle, die ist in diesem Fall religiös, aber das impliziert jetzt nicht, dass ich das auch unbedingt sein muss.

epd: Sie sind im atheistisch geprägten Ostdeutschland, in Rostock, aufgewachsen. Hätten Sie es denn gut gefunden, als Kind stärker mit Religion und Christentum in Kontakt zu kommen?

Striesow: Ich hätte mir gewünscht, generell stärker mit allen anderen Sachen in Kontakt zu kommen, die der Osten abgeschnitten hat. Das Thema beschränkt sich nicht nur auf Religion. Allerdings hätte ich mir auch da gewünscht, mehr zu erfahren. Religion ist Teil einer bestimmten Kultur. Es gibt viele Kulturen, die mit anderen Religionen zu tun haben. Auch da hätte ich mir mehr Zugänge gewünscht, was aber in der DDR komplett undenkbar war. Der Osten hat überall, wo es ging, den Rotstift angesetzt. Ich finde, das Ungeübtsein auf vielen Gebieten hatte auch zur Folge, dass man doch immer auch mit einem geringeren Selbstwertgefühl durchs Leben geht, weil man das Gefühl hat, es fehlt einem einiges. Zum Beispiel bleibt bei vielen, die die Wende als Halbwüchsige erlebt haben, immer das Stichwort Sprachen ein Thema. Was sollten wir Sprachen lernen, es gab ja eh nie die Möglichkeit, in die Welt zu fahren. Unvorstellbar für die Generation meines ältesten Sohnes.

epd: Sie haben sich einmal dafür ausgesprochen, dass Religionskundeunterricht in allen Bundesländern ein reguläres Pflichtschulfach sein sollte. Warum?

Striesow: Ich finde, dass alles, was man mehr lernen kann, einen Menschen reicher macht. Im Prinzip hat alles, worauf unsere Kultur basiert, mit der Religion zu tun. Deshalb sollte auch die nachwachsende Generation darüber aufgeklärt werden, woher das kommt, was Menschen zum Beispiel in religiösen Ritualen tun. Besonders wo sich viele Kulturen vermischen, ist es wichtig, den Leuten zu erklären, woher sich dieses oder jenes herleitet. Das ist ein gut verstandenes Suchen nach Wurzeln, um eine Identität aufzubauen, die wichtig ist, wenn man anderen Identitäten begegnet. Das ist auch wichtig, um sich nicht ständig klein zu fühlen und das andere dann ausschalten zu wollen, sondern mit einem Selbstbewusstsein Dinge anzugehen und auf Menschen zuzugehen, weil man Bescheid weiß. Insofern ist jedes Wissen um die Herkunft wichtig und nicht fakultativ.

epd: Nun spielen Sie Martin Luther, was hat Sie denn als Schauspieler an der Figur interessiert?

Striesow: Wir zeigen in dem Film Martin Luther in sehr persönlichen Situationen, die Beziehung zu seiner Frau - und überhaupt in Beziehung zu Frauen - zur Familie und zu seinem engen Umkreis. Mich hat interessiert, wie diese Person funktioniert haben könnte. Das bleiben aber natürlich alles nur Behauptungen. Man kann nach 500 Jahren nicht sagen, dass sich alles so abgespielt hat. Aber nur in den großen energetischen Amplituden, die diesen Menschen ausgemacht haben, kann ich mein Spielfeld finden. Und die habe ich versucht extrem auszuloten.

epd: Und gab es etwas, das Sie überrascht hat bei der Arbeit zum Film "Katharina Luther"?

Striesow: Ja, die Präsenz der Frau. Und zwar als eine Frau, die bereit ist, Funktionen und Verantwortung zu übernehmen, um mit diesem Mann ein gemeinsames Leben zu leben. Sie hält damit Luther den Rücken frei von all dem, was ihn weniger interessiert, was aber lebensnotwendig ist, wenn man die Konstruktion einer Familie leben möchte. Dass sie genau diesen Part übernimmt, das hat mich überrascht. Sie ist ein unglaublich guter Kontrapunkt zu Martin Luther. Diese Frau zu erzählen, die eigentlich keiner kennt, weil sie nach dem Tod ihres Mannes ihrer Verdienste komplett beraubt wurde, diese Frau in den Mittelpunkt zu stellen, das war wichtig.

(epd)

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