Präses Schwaetzer zum Interesse der Katholiken an der Synode

"Christen können voneinander lernen"

Seit Montag tagt in Magdeburg die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das sei auch für die Katholiken interessant, sagt Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode - und wünscht sich zudem einen besseren gegenseitigen Lernprozess.

Irmgard Schwaetzer warb für eine offenere Streitkultur (epd)
Irmgard Schwaetzer warb für eine offenere Streitkultur / ( epd )

domradio.de: Was genau könnten Katholiken denn bei Ihnen lernen?

Irmgard Schwaetzer (Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland): Christen können immer voneinander lernen. Und genauso wie wir von der katholischen Kirche besser lernen können, wie man Kinder mit in den Glauben hineinnimmt, indem man sie zum Beispiel im Gottesdienst an sichtbarer Stelle mitfeiern lässt, so haben die katholischen Geschwister ein Interesse daran gezeigt, das Prinzip der Synode auch in ihren eigenen Diözesen, in Laienversammlungen, besser zur Geltung zu bringen.

Das Prinzip der Synode gibt es auch in der katholischen Kirche. Bei uns Protestanten ist es eine gewählte Versammlung, wie ein Parlament, aus den Landeskirchen und aus den Gemeinden. Sie setzt sich aus Theologen und Nichttheologen zusammen, wobei die Nichttheologen in der Mehrheit sind.

Sie bestimmt zum Beispiel über den Haushalt, aber eben auch über theologische Fragen, die dann als Richtlinie für die Kirche gelten. Und daran gibt es jetzt eben auch ein Interesse in der katholischen Kirche.

domradio.de: Um welche Themen geht es jetzt bei Ihnen im Moment? Da gibt es sicherlich auch Überschneidungen, oder?

Schwaetzer: Das Schwerpunktthema der diesjährigen Tagung lautet "Europa in Solidarität" - ein sehr aktuelles Thema wie wir alle wissen. Wir gucken sehr genau hin, was die Kirchen tun können – erstmal bei sich selbst. Denn auch die Kirchen in Europa vertreten ja durchaus nicht immer die gleichen Positionen.

Das heißt, wir müssen auch den innerprotestantischen Dialog weiter befördern und noch besser aufeinander hören und uns abstimmen.

Wir leiten die Richtschnur und unsere eigene Haltung natürlich aus dem neuen Testament ab. Wir sind fest davon überzeugt, dass das, was wir in die Gesellschaft hineintragen - wie den Begriff der Barmherzigkeit - etwas sehr Gutes tun kann, für den inneren Zusammenhalt einer Gesellschaft. Und an der Stelle sind wir dringend gefordert.

domradio.de: Welche Rolle spielt das Thema Ökumene bei Ihnen?

Schwaetzer: Wir wollen ja 2017 das 500-jährige Reformationsgedenken nicht nur für uns selber feiern, sondern wir wollen bedenken, wie wir uns in den vergangenen 500 Jahren weiter entwickelt haben. Und das bedeutet: Wir werfen einen intensiven Blick auf die ökumenischen Beziehungen, aber auch auf die internationale Beziehungen.

Und wir sind sehr froh, dass wir uns mit unseren katholischen Geschwistern darauf verständigen können, 2017 ein Christusfest zu feiern – und zwar gemeinsam.

domradio.de: Erst vor kurzem waren Sie ja mit Vertretern der katholischen Kirche gemeinsam zur Pilgereise im Heiligen Land. Was hat das für das ökumenische Miteinander gebracht?

Schwaetzer: Es war von Beginn der Reise zu spüren, dass es ein großes Interesse und eine große Neugier auch auf der menschlichen Ebene zwischen uns gab. Es ist sehr viel Vertrauen gewachsen. Und Vertrauen ist wichtig, wenn wir weitere Schritte gehen wollen, um uns noch stärker an einander anzunähern.

Das Gespräch führte Verena Tröster.


Quelle:
DR