Papst Franziskus mit Munib Younan
Papst Franziskus mit Munib Younan
Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft
Bischof Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft

05.11.2016

Piusbrüder schimpfen über Treffen von Papst und Lutheranern Sag mir, wo die Brüder sind

Die Piusbrüder nennen Luther einen "diabolischen Hasser". Das bringt den Papst allmählich in die Bredouille. Kann man an allen Fronten ökumenisch umarmen und gleichzeitig eine Einigung mit Econe in Aussicht stellen?

Wer schießt hier gegen wen? Piusbrüder gegen Papst Franziskus? Piusbrüder gegen Protestanten? Oder Piusbrüder gegen Piusbrüder? Mit starken Worten hat die französische Sektion der von Rom getrennten traditionalistischen Bruderschaft das jüngste Treffen von Papst Franziskus mit dem Lutherischen Weltbund kritisiert. Die Begegnung im schwedischen Lund sei "der Gipfel unseres Schmerzes", schreibt der Distriktobere Christian Bouchacourt.

Die Erklärung auf dem Portal "La Porte Latine" zeigt keinerlei ökumenische Zugeständnisse, sondern fährt ein schweres verbales Geschütz nach dem anderen auf. Die Gemeinsame Erklärung zum 500. Jahrestag der "Revolte Luthers gegen die katholische Kirche" sei ein "veritabler Skandal", so Frankreichs Piusbrüder. Historische Fehler, schwerste Schädigungen für die katholische Lehre und ein "falscher Humanismus, der Quelle so vielen Übels ist", seien in dieser Erklärung aneinandergereiht.

Gefährdung des Glaubens

Der Distriktobere wirft Papst Franziskus vor, "unter dem trügerischen Vorwand der Nächstenliebe und einer gekünstelten und illusorischen Einheit" den katholischen Glauben "auf dem Altar des Ökumenismus zu opfern", der "das Heil der Seelen" gefährde. "Allergrößte Irrtümer" und die "Wahrheit Jesu Christi" würden mit demselben Maß gemessen.

Bouchacourt schließt, dass der Reformator Martin Luther einen "diabolischen Hass auf den Papst" und "eine Verachtung des heiligen Messopfers" an den Tag gelegt habe. "Wir Katholiken wollen, dass die Protestanten in den einen Schoß Christi zurückkehren, der die katholische Kirche ist, und wir beten in diesem Anliegen."

Wer ist das Ziel dieses Angriffs?

Die Frage ist, gegen wen sich diese Scharfschüsse richten. Mit Lutheranern hat die Bruderschaft, die die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zu interreligiösem Dialog und Ökumene ablehnt, eh nichts zu schaffen. Also gegen den Papst, der ihr überraschenderweise wieder eine Hand zur Versöhnung ausgestreckt hat? Oder ist der verbale Angriff aus der zweiten Reihe gar gegen den eigenen Generaloberen Bernard Fellay gerichtet, der mit dem Vatikan verhandelt - und noch härteren Hardlinern womöglich als zu weich erscheint?

Die Piusbrüder spielen seit langem ein Spiel: bisweilen konziliant-versöhnlich klingend als treueste Söhne des Papsttums nach außen, knallhart selbstversichernd nach innen. Wer dabei die Rollen des "Good Cop" und des "Bad Cop" verteilt und die Hebel zieht, ist nicht immer klar.

Franziskus kann das Geplänkel nicht egal sein. Denn seine weitreichenden Aktionen gegenüber Juden, Orthodoxen, Evangelischen, Pfingstlern und anderen werden von den Traditionalisten direkt und massiv in Frage gestellt. Dadurch steht auch das gewachsene ökumenische Vertrauen bei den Partnern in Frage: Wie kann ein Papst, der so mit uns spricht, mit rückwärtsgewandten Gegnern jeder außer einer "Rückkehr-Ökumene" über eine Wiederaufnahme der vollen Kirchengemeinschaft sprechen?

Einigung bleibt Herausforderung

Die traditionalistische Priesterbruderschaft ist seit 1988 von Rom getrennt. Benedikt XVI. (2005-2013) nahm 2009 Aussöhnungsgespräche auf. Im 2012 kam der Prozess scheinbar zum Stillstand. Im September 2015 erklärte dann Papst Franziskus überraschend, er "vertraue darauf, dass in naher Zukunft Lösungen gefunden werden können, um die volle Einheit mit den Priestern und Oberen der Bruderschaft wiederzugewinnen". Im April 2016 traf Franziskus persönlich mit Fellay zusammen.

Den Weg zu einer möglichen Einigung weist Kurienerzbischof Guido Pozzo, vatikanischer Sekretär der für die Piusbrüder zuständigen Kommission "Ecclesia Dei". Er argumentiert mit einer unterschiedlichen Verbindlichkeit der Konzilsbeschlüsse: Dessen Aussagen über den interreligiösen Dialog, die Ökumene und die Religionsfreiheit seien dogmatisch von geringerer Bedeutung: Sie seien keine "Glaubenslehren oder definitive Aussagen, sondern Anweisungen oder Orientierungshilfen für die pastorale Praxis".

Einstweilen gilt aber noch das Diktum von Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der römischen Glaubenskongregation: Er erwarte von den Piusbrüdern eine vorbehaltlose Anerkennung von Glaubensfreiheit als Menschenrecht und eine Verpflichtung zur Ökumene - und auch eine Anerkennung der betreffenden Konzilserklärungen.

Alexander Brüggemann

(KNA)

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