Ökumenische Pilgergruppe an der Klagemauer
Ökumenische Pilgergruppe an der Klagemauer
Verdeckte Kreuze beim Besuch der Al-Aksa-Moschee
Gang zum Tempelberg
Deutsche Bischöfe in Jerusalemer Altstadt
Deutsche Bischöfe in Jerusalemer Altstadt
Bischöfin Petra Bosse-Huber, Bischof Franz-Josef Overbeck und Marlehn Thieme an der Klagemauer
Bischöfin Petra Bosse-Huber, Bischof Franz-Josef Overbeck und Marlehn Thieme an der Klagemauer

20.10.2016

Bischöfe besorgt über Spannungen in Jerusalem Verstörende Signale

Bei ihrem Besuch in Jerusalem haben sich die Spitzen der deutschen Katholiken und Protestanten besorgt über das Zusammenleben von Muslimen und Juden in der Stadt geäußert. Und auch auf dem Tempelberg lief es anders als erwartet.

Er habe Hass, Misstrauen und Konflikte erlebt, sagte Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, am Donnerstag nach Gesprächen mit Religionsvertretern auf dem muslimischen Tempelberg und an der jüdischen Klagemauer.

Ein Ort für alle Religionen

"Für mich ist klar, dass dieser Ort ein Ort für alle Religionen ist", sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. Für Christen sei er wichtig, da dort Jesus gewirkt habe. Er hoffe, dass sich die Religionen begegneten und nicht gegeneinander arbeiteten.

Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sagte, die herausfordernde und spannungsvolle Situation in Jerusalem bedeute einen Auftrag zur Begegnung der drei monotheistischen Religionen. "Wir können die Menschen hier nicht belehren", sagte der Münchner Kardinal. Aber katholische und evangelische Christen aus Deutschland könnten nach ihren Jahrhunderte währenden Konflikten bezeugen: "Wir können auch durch Verschiedenheiten zu Frieden kommen und einen Beitrag leisten zur Versöhnung, wenn wir uns ehrlich begegnen."

Verstörende Signale

Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, rief Christen auf, sich mit allen verfügbaren Mitteln für einen Dialog der Religionen einzusetzen. Frieden könne nur wachsen, wenn es einen Willen dazu gebe, sagte sie. "Dass nicht deutlich wird, ob es diesen Willen zum Frieden in dieser Region gibt, ist verstörend", so Schwaetzer.

Die "Reise an die Wurzeln unseres Glaubens" bezeichnete sie als ein "zutiefst emotionales Erlebnis", das zugleich das Vertrauen zwischen den Teilnehmern der gemeinsamen Pilgerreise evangelischer und katholischer Bischöfe aus Deutschland gestärkt habe. Es sei klar geworden, wie viel die Konfessionen verbinde, und dies gebe Mut, auch das noch Trennende anzugehen.

Führung auf dem Tempelberg

Bei einer Führung auf dem Tempelberg hatte die deutsche Pilgergruppe zuvor die Auswirkungen der jüngsten Unesco-Resolution miterlebt, nach der der Tempelberg ausschließlich als heilige muslimische Stätte betrachtet werden soll. Während der Besichtigung der Al-Aksa-Moschee habe der muslimische Führer immer wieder betont, dass man in einer heiligen islamischen Stätte unterwegs sei. Im Grunde sei die komplette Unesco-Resolution zur Grundlage der Führung gemacht worden, wie der Journalist Benjamin Lassiwe, der die Pilgerreise begleitet, gegenüber domradio.de berichtete.

Eine entsprechende Reaktion seitens der Delegation ließ dann auch nicht lange auf sich warten, wie der Journalist ergänzte. Die Präses der Synode der evangelischen Kirche, Irmgard Schwaetzer, habe sich empört gezeigt - und war nicht die einzige.

Die beiden Vorsitzenden der großen Kirchen in Deutschland mahnten in diesem Zusammenhang zum Dialog. Es sei "wichtig, dem anderen zuzuhören, um zu lernen, was ihm heilig ist", so Marx. Die Delegation habe als Gruppe "die Erfahrung gemacht, welches Glück es ist, die Welt mit den Augen des anderen zu sehen", ergänzte Bedford-Strohm.

Treffen mit Apostolischem Verwalter

Bei einem anschließenden Treffen mit dem Verwalter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, hat dieser zur Einheit der Christen aufgerufen. Jerusalem könne "zu einem Beispiel friedlicher Koexistenz" werden, sagte der Apostolische Administrator.

Pizzaballa verwies auf die zahlreichen Spaltungen und Konflikte, die Jerusalem heute kennzeichneten und die auch die Christen und ihre heiligen Stätten einschlössen. Grund dafür sei auch ein "Mangel an Führungsstärke" auf politischer und religiöser Ebene. Gleichzeitig gebe es "in den Straßen Jerusalems viele Gelegenheiten menschlicher Begegnungen".

Den gemeinsamen Besuch evangelischer und katholischer Bischöfe bezeichnete der Italiener als Zeichen der Solidarität, aber auch als Zeichen der Einheit, das zeige, dass Frieden möglich sei.

Reise im Zeichen des Reformationsgedenkens

Bei einem Treffen am Nachmittag sagte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche für Jordanien und das Heilige Land, der Palästinenser Munib Younan, in einem Grußwort an die deutsche Delegation, dass Frieden nur auf der Basis von Gerechtigkeit möglich sei.

Zugleich sei es wichtig, zu vergeben, um sich zu versöhnen, ergänzte Younan, der auch Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB) ist. Er setze ökumenische Erwartungen in ein Treffen des Lutherischen Weltbundes mit Papst Franziskus am 31. Oktober im schwedischen Lund. Am selben Tag werden in Berlin die Feiern zum 500. Reformationsjubiläum mit einem Gottesdienst und einem staatlichen Festakt eröffnet.

Gottesdienst in der Grabeskirche 

Nach dem Besuch des Tempelbergs feierten die Bischöfe in der Grabeskirche in Jerusalem einen Gottesdienst. Hauptzelebrant der als katholische Eucharistiefeier gestalteten Liturgie war der Freiburger Alt-Erzbischof Robert Zollitsch. Er hatte in seiner Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im Jahr 2013 die Idee für die gemeinsame Pilgerreise aus Anlass des Reformationsgedenkens entwickelt.

Der Gottesdienst fand im römisch-katholischen Teil der Grabeskirche statt, der von den derzeitigen Restaurierungsarbeiten am Grab Jesu nur wenig betroffen ist. Wie schon bei früheren Gottesdiensten der Reise kam es nicht zu einer liturgischen Mahlgemeinschaft der evangelischen und katholischen Teilnehmer. Anschließend besichtigte die Gruppe das unter sechs christlichen Kirchen aufgeteilte Gotteshaus, das zu den wichtigsten Kirchen der Christenheit zählt.

Am Freitag wird die Delegation gemeinsam die Gedenkstätte Yad Vashem besichtigen und dort der Opfer der Shoa gedenken. Zum Abschluss der Pilgerreise soll es eine gemeinsame Abschlusserklärung geben. Anlass der Reise der je neun Vertreter von Deutscher Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) ist das bevorstehende Reformationsgedenken.

(KNA, DR, epd)

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