Kirche Johannes der Täufer im serbischen Koncarevo
Kirche Johannes der Täufer im serbischen Koncarevo
Serbiens Präsident Tomislav Nikolic
Serbiens Präsident Tomislav Nikolic
Die Kirche Märtyrer Dimitrios in Bajcetina, gestiftet vom serbischen Präsidenten T. Nikolic.
Die Kirche Märtyrer Dimitrios in Bajcetina, gestiftet vom serbischen Präsidenten T. Nikolic.
Kirche Evangelist Lukas in Belgrad
Kirche Evangelist Lukas in Belgrad

28.08.2016

Politiker und Oligarchen in Serbien stiften Kirchen Orthodoxer Bau-Boom

Eine Kirche als Statussymbol? Ja, durchaus. Wer etwas auf sich hält in Serbien, stiftet eine Kirche. Politiker und Oligarchen wetteifern, um größer, schöner oder bunter zu bauen. Mancher sieht das kritisch.

In dem überschaubaren orthodoxen Bistum Kragujevac südlich der Hauptstadt Belgrad sind in den vergangenen 25 Jahren neun Kirchen von Privatleuten errichtet worden. Drei weitere sind im Bau. Im vergangenen Juni weihte der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej im Dorf Koncarevo bei Jagodina die Kirche "Johannes der Täufer" ein. Der Spitzenpolitiker Dragan Markovic-Palma hatte den Prachtbau in seinem Geburtsort aus seiner Privatschatulle finanziert. Als Dank verlieh der Patriarch ihm den Orden des Heiligen Sava - immerhin die höchste kirchliche Auszeichnung.

Ex-Regierungsmitglied baut acht Kirchen

Champion unter den gottesfürchtigen Erbauern von Kirchen ist das langjährige Regierungsmitglied Velimir Ilic. "Ich habe acht Kirchen gebaut, in jedem größeren Dorf rund um (meine Geburtsstadt) Cacak. Und viele habe ich renoviert", sagte er dem Magazin "NIN" in diesem Frühjahr: "Ich habe kein Hobby, aber mein ganzes Leben lang baue ich Kirchen". Die Zeitschrift kommentierte: "Sie waschen Geld und ihr Gewissen." "Mit zweifelhaftem Geld zur Vergebung der Sünden", titelt auch "Novi Mazagin".

Als Kronzeuge wird Milan Antonijevic zitiert, der Präsident des Juristenkomitees für Menschenrechte: "Es handelt sich um Geld, das direkt aus dem Staatshaushalt Serbiens abgezweigt wurde und um Leute, die ihre Einkünfte aus Straftaten bezogen haben". Viele Einwohner in den Orten dagegen äußern Zustimmung und Bewunderung. Bei der Einweihung in Koncarevo war die Kirche für die mehr als 3000 Gläubigen viel zu klein.

Bischöfe loben die Stifter

Der Patriarch und die Bischöfe loben die Stifter als Vorbilder. Sie sehen diese in direkter Nachfolge der mittelalterlichen Könige und Fürsten, die die Klöster und Kirchen als herrschaftliche Stiftungen ins Leben gerufen hatten. Daher stehe Politikern und Neureichen auch das Recht zu, sich auf einem Fresko oder Goldmosaik in ihrer Kirche verewigen zu lassen.

So sitzt der Autohändler Milenko Kostic in seinem Gotteshaus in Kotraza bei Cacak in einem Boot mit dem Heiligen Nikolaus. Mit dabei sind seine drei Kinder sowie seine aktuelle und ehemalige Ehefrau. Kabelfabrikant Miodrag Nikolic-Feman schenkt in der Dorfkirche Rakitovo bei Jagodina dem Heiligen Lukas ein Modell seines Gotteshauses.

Recht bescheiden gibt sich Veselin Boskovic, der in Belgrad zwischen 1999 und 2003 den Bau der Kirche "Evangelist Lukas" finanzierte. Er und seine Familie sind lediglich in Goldbuchstaben als Stifter festgehalten. Und es geht noch kleiner: Die Agrar-Unternehmerfamilie Jankovic finanzierte Teile der Glocke für die neue Kirche "Märtyrer Dimetrios" in Neu-Belgrad.

Staatspräsident baut eigene Kirche

Aufregung verursachte der Kirchenbau des früheren Verteidigungsministers Bratislav Gasic auf dem Berg Bagdala hoch über dessen Heimatstadt Krusevac. Und vor allem der vom Staatspräsidenten Tomislav Nikolic finanzierte Kirchenneubau in seinem Geburtsort Bajcetina. Auf über 800 Metern Höhe über der Stadt Kragujevac baut er seit Ende 2012 sein eigenes kleines Gotteshaus. Im Gegensatz zu vielen anderen Stiftungskirchen, die mit ihren grell-bunten Wänden eher an ein schlechtes Disneyland denn an sakrale Kunst erinnern, ist das Innere mit wertvollen Mosaiken bedeckt. Die Ikonostase, also die Trennung des Hauptraums vom Chorraum, ist hier nicht wie sonst üblich in Holz, sondern im wertvollen Onyx gearbeitet.

Der Bau soll Anfang nächsten Jahres fertig sein. Die Glocken sind gerade als Spende aus Russland gekommen. Nikolic verehrt Russland. Die Opposition stellt beharrlich die Frage, wie das Staatsoberhaupt mit seinem Monatsgehalt solche Ausgaben bestreiten kann. Nach Medienberichten verdiente der Politiker im vergangenen Jahr umgerechnet etwa 1050 Euro pro Monat. Jedenfalls lässt Nikolic seine Kirche von der Polizei schützen, die ein striktes Fotografierverbot durchsetzen soll. Im Eingang ist eine Familiengruft vorgesehen. Und auf der Empore sollen die Staatsgeschenke ausgestellt werden, die Nikolic in seiner Amtszeit im Ausland erhalten hat.

Kathrin Lauer
(dpa)

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