Das Panorthodoxe Konzil will auf Kreta sechs Dokumente beraten

Autonomie - Ökumene - Weltverantwortung

Von A wie Autonomie bis W wie Weltverantwortung - das orthodoxe Konzil hat sich ein anspruchsvolles Programm vorgenommen. Die Entwürfe für die sechs Konzilsdokumente stoßen aber nicht allseits auf Begeisterung.

Autor/in:
Norbert Zonker
Vesper während des panorthodoxen Konzils / © Sean Hawkey (KNA)
Vesper während des panorthodoxen Konzils / © Sean Hawkey ( KNA )

Schon in den Wochen vor Beginn des Panorthodoxen Konzils auf Kreta ist eine rege Debatte über die sechs kurzen Texte auf der Tagesordnung in Gang gekommen. Dass die Entwürfe vorab im Internet veröffentlicht wurden, hat nicht zuletzt die russische Orthodoxie nach eigenen Angaben forciert, Gerüchten über angebliche Beschlüsse vorzubeugen. Die Bulgaren fanden die gesamte vorkonziliare Diskussion völlig unpassend.

Innerorthodoxe Fragestellungen

Worum geht es? Vier Papiere befassen sich mit innerorthodoxen Fragestellungen: der Ordnung der weltweiten Diaspora, der Autonomie einer Landeskirche und den Methoden ihrer Erklärung, den Fastenregelungen und dem "Sakrament der Ehe und seinen Hindernissen". Der Ehe-Entwurf wurde allerdings von den Patriarchen von Antiochien und Georgien nicht unterzeichnet.

Die beiden weiteren Texte dürften außerhalb der Orthodoxie auf größeres Interesse stoßen, geht es doch um "Die Mission der Orthodoxen Kirche in der modernen Welt" und um die "Beziehungen der Orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt". Die Dokumente liegen in den offiziellen Konzilssprachen Griechisch, Russisch, Englisch und Französisch sowie der "Arbeitssprache" Arabisch vor.

Noch keinen Entwurf gibt es für eine "Botschaft" des Konzils, die auf Kreta selbst verfasst werden soll. Der Moskauer Patriarch Kyrill I. wertet den Text über die "Mission" der Orthodoxie in der Gegenwart als "Schlüsseldokument" des Konzils. Mit mehr als sieben Textseiten ist er auch der umfangreichste. Konkreter lautet der Untertitel: "Der Beitrag der orthodoxen Kirche zum Erreichen von Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Brüderlichkeit und Liebe zwischen den Völkern und zum Abbau von rassischer und andersartiger Diskriminierung".

Anklänge an Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils

Gewisse Anklänge an die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) der katholischen Kirche über die "Kirche in der Welt von heute" sind dabei unüberhörbar, doch der Entwurf erreicht nach Einschätzung von Theologen nicht deren Reflexionsniveau. Der Text besteht aus fünf kurzen Abschnitten über "Die Würde der menschlichen Person", "Freiheit und Verantwortung", "Frieden und Gerechtigkeit", "Frieden und Ablehnung des Krieges" sowie "Die Haltung der Kirche gegenüber Diskriminierung".

Ein abschließender sechster Teil enthält 15 Konkretisierungen zur Sendung als "Zeuge der Liebe im Dienen". Karitative Themen werden ebenso angesprochen wie Ungerechtigkeiten des Wirtschaftssystems, Hunger und Armut, Umweltzerstörung und Schöpfungsbewahrung, der Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod oder ethische Fragen in den Biowissenschaften.

Diskussion um "Ökumene-Papier"

Heiße Diskussionen erregt das "Ökumene-Papier". Der vierseitige Text vermeidet es, die anderen Kirchen namentlich zu nennen, bekräftigt aber mehrfach das Ziel der Einheit der Christen. Gegen innerorthodoxe Vorbehalte bekennt sich das Dokument ausdrücklich zur Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung - in nationalen, regionalen und internationalen zwischenchristlichen Organisationen. Zugleich spricht es von einer "ernsten Krise der ökumenischen Bewegung", ohne diese näher zu qualifizieren.

Ausführlich geht der Entwurf auf den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ein, zu dessen Gründungsmitgliedern einige orthodoxe Kirchen gehörten - von dem sich aber die georgische und die bulgarische Orthodoxie 1997 und 1998 ausdrücklich abwandten. Hier heißt es, die orthodoxe Kirche akzeptiere nicht "die Idee der "Gleichheit der Konfessionen" und könne die Einheit der Kirche "nicht als interkonfessionellen Kompromiss akzeptieren". Trotz dieser insgesamt zurückhaltenden Formulierungen geht der Text dem antiökumenischen Flügel der Orthodoxen viel zu weit. Er kennt für alle Nichtorthodoxen nur die Einordnung als "Häretiker".

Ehesakrament und Ehehindernisse

Von ökumenischer Relevanz ist auch das Dokument über das Ehesakrament und die Ehehindernisse, laut dem die Ehe zwischen orthodoxen und nichtorthodoxen Christen zwar "verboten" ist, aber "aus Barmherzigkeit und Menschenliebe" gesegnet werden kann - im Unterschied zur "kategorisch verbotenen" Ehe mit Nichtchristen.

Weiter heißt es: "Die Orthodoxe Kirche erklärt die heilige Natur der Ehe als ihre fundamentale und unumstrittene Glaubenslehre. Der freie Bund von Mann und Frau ist eine unverzichtbare Bedingung für die Ehe." Beklagt wird ein organisierter Druck auf die Kirche, neue Formen des Zusammenlebens anzuerkennen.

Das Papier zur orthodoxen Diaspora enthält zur offiziellen Festschreibung die bereits 2009 getroffene Regelung, die unter anderem (wie etwa in Deutschland) regionale orthodoxe Bischofskonferenzen einrichtete. Sie hatte zunächst nur vorläufigen Charakter, hat sich aber nach verbreiteter Einschätzung bewährt.


Quelle:
KNA