Patriarch Bartholomaios I. mit Papst Franziskus
Patriarch Bartholomaios I. mit Papst Franziskus

07.06.2016

Panorthodoxes Konzil auf Kreta weiter gefährdet Keine Einigung in Sicht

Die orthodoxen Landeskirchen streiten weiter um das erste Panorthodoxe Konzil seit Jahrhunderten. Das oberste Leitungsgremium des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel wies am Forderungen nach einer Verschiebung des Konzils zurück.

Die seit mehr als 50 Jahren vorbereitete Versammlung solle wie geplant in knapp zwei Wochen am orthodoxen Pfingstfest (19. Juni) auf Kreta beginnen. In Russland stieß das Festhalten Konstantinopels an seinem Kurs auf heftige Kritik.

"Ich habe Angst, dass es sich bei dieser harten diktatorischen Haltung um den Versuch handelt, anderen seine eigene Meinung aufzuzwingen", sagte der Moskauer Erzpriester Andrej Nowikow der russischen Nachrichtenagentur Tass. Konstantinopel strebe offenbar nach "unbegrenzter Macht in der orthodoxen Welt" und nach einem "östlichen Papsttum". Dadurch werde das Zustandekommen des Konzils gefährdet.

Einige Landeskirchen "unzufrieden"

Der Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion sagte dem TV-Sender "Russland 24", wenn die Streitfragen beigelegt würden, könne der Gipfel in knapp zwei Wochen auf Kreta beginnen. "Wenn sie nicht gelöst werden, dann ist es wahrscheinlich besser, es zu verschieben."

Hilarion verwies darauf, dass einige der 14 Landeskirchen "unzufrieden" mit dem Verlauf der Vorbereitungen des Konzils seien. Es sei möglich, dass die Kirchen Antiochiens und Serbiens dem Gipfel fernblieben. Die bulgarische Kirche habe bereits angekündigt, nicht teilzunehmen. Die russisch-orthodoxe Kirche fordert eine Krisensitzung der orthodoxen Kirchen, um die Streitfragen zu klären. Sie solle spätestens am Freitag beginnen. Es ist unklar, ob das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel dieser Forderung nachkommt.

Einigung auf künftigen Kurs angestrebt

Ziel des historischen Gipfeltreffens auf Kreta ist eine Einigung der orthodoxen Kirche auf ihren künftigen Kurs. "Das Ökumenische Patriarchat, das die Hauptverantwortung für die Wahrung der Einheit der Orthodoxie trägt, ruft alle auf, die Gelegenheit zu nutzen und teilzunehmen", heißt es in der Erklärung, die am Abend in Istanbul nach einer Sondersitzung des von Patriarch Bartholomaios I. geleiteten Heiligen Synods veröffentlicht wurde.

Mit "Überraschung und Verwunderung" nehme man die jüngsten Stellungnahmen mancher der 14 Landeskirchen zur Kenntnis. Die Kirchenregeln erlaubten keine "Revision" der auf den Weg gebrachten Konzilsplanung, so das Leitungsgremium des Patriarchats von Konstantinopel. Allerdings könnten auf Kreta die Dokumente, die verabschiedet werden sollen, noch verändert werden. Entsprechende Vorschläge würden von den Delegationen der Landeskirchen erwartet.

(KNA)

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