Picknick im Rahmen des "Christival 2016"
Picknick im Rahmen des "Christival 2016"
Sänger Adel Tawil im Gerry Weber Stadion
Sänger Adel Tawil im Gerry Weber Stadion

08.05.2016

Evangelische Kirchenfestivals enden mit Impulsen für den Alltag Flüchtlingshilfe und die Botschaft Gottes

Mit Abschlussgottesdiensten gingen am Sonntag zwei große evangelische Jugendfestivals, das Treffen "Weite wirkt" im westfälischen Halle und das "Christival" in Karlsruhe zu Ende. Im Mittelpunkt stand beiderorts die Flüchtlingsproblematik.

Als der ägyptische Sänger Mohamed Mounir mit Popstar Adel Tawil im vollen Gerry Weber Stadion singt, stehen viele Flüchtlinge auf den Rängen auf und klatschen mit. Mounir mahnt zu einem menschlichen Umgang mit Notleidenden. "Heute Flüchtlinge und morgen wir alle", sagt er unter Beifall. Zum Festival "Weite wirkt" der Evangelischen Kirche von Westfalen waren am Wochenende im westfälischen Halle mehrere hundert Flüchtlinge sowie ehrenamtliche Helfer eingeladen. Die Situation von Asylsuchenden war auch Kernthema des dreitägigen Kirchenfestes, zu dem 24.000 Besucher kamen.

Kritik an Ausgrenzung

Orte wie das Festival mit vielen Gästen aus Partnerkirchen machten empfänglich für die Gemeinschaft und zugleich "unruhig über versperrte Zugänge und ausgesperrte Menschen", sagte die westfälische Präses Annette Kurschus am Sonntag im Abschlussgottesdienst vor mehr als 4.000 Besuchern im Stadion. Zur Eröffnung hatte die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bereits Ausgrenzung und Hassparolen gegenüber Flüchtlingen scharf kritisiert. Zur Reformation vor bald 500 Jahren gehöre auch die Erfahrung, dass sich der Unmenschlichkeit etwas entgegensetzen lasse, dass Fremdheit ausgehalten und überwunden werden könne, sagte Kurschus.

Er sei sehr froh, dass von dem Festival die Botschaft ausgehe, Grenzen zu öffnen und Bedürftigen zu helfen, sagte am Abschlusstag der Altbischof und heutige Minister der Republik Namibia für Armutsbekämpfung, Zephanja Kameeta. Ebenso wichtig für die Zukunft der Menschen seien Initiativen gegen den Klimawandel. Lob kam auch vom EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm: Das Festival sei ein wichtiges Beispiel, "was wir in der Gesellschaft brauchen", sagte er. Nämlich das Engagement für die Eine Welt und eine große Hilfsbereitschaft.

Nächstenliebe vorleben

Die nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann (SPD) dankte den Kirchen und allen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen. Die Kirchen lebten vor, was Nächstenliebe in dieser Welt bedeute. Das Festival ist Teil des Themenjahres "Weite wirkt" der drei evangelischen Landeskirchen in NRW mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017. In der rheinischen Landeskirche wird am Pfingstsonntag unter dem Motto "beGeistert 2016 - Weite wirkt" mit einem Bühnenprogramm im Mülheimer Stadthallengarten gefeiert. Die Lippische Landeskirche lädt vom 16. bis 21. Mai im Rahmen von "Weite wirkt" zu einem Ökumenischen Kirchentag in Lippe ein.

Die drei Tage des westfälischen Glaubensfestes im Gerry Weber Stadion in Halle atmeten die internationale Atmosphäre eines Evangelischen Kirchentages. Auf der Stadionbühne war am Samstagabend das Oratorium der "Peacemakers" zu erleben: Mehr als 1.000 Sänger aus Westfalen brachten gemeinsam mit dem Libertas-Chor aus Südafrika stimmgewaltig die "Bitte um Frieden", das Chorwerk von Karl Jenkins, auf die Bühne. Rund um das Stadion sangen Jugendliche aus Tansania oder Indonesien. Zahlreiche Infostände informierten etwa über kirchliche Partnerschaftsgruppen und Eine-Welt-Projekte.

In den Foren und Workshops ging es um Flüchtlingspolitik, Klimagerechtigkeit, faire Produktionsbedingungen und Ökumene. Bedford-Strohm mahnte hier Verbesserungen in der Asylpolitik an. Mit Blick auf die Islamdebatte in Deutschland, unterstrich der EKD-Chef: "Wenn Muslime in Deutschland leben, gehören sie dazu." Das gelte auch für deren Religion. Kanzleramtsminister Peter Altmaier machte Mut, indem unter großen Beifall an die "Wir schaffen das"-Erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel erinnerte. In der Geschichte jedes Landes könne es eine Situation geben, in der dem Impuls zu helfen nachgegeben werden müsse, sagte der CDU-Politiker.

Entwicklungsarbeit als "zentrale Aufgabe der Kirchen"

Der tansanische Theologe Fidon Mwombeki bezeichnete die Entwicklungsarbeit in den ärmeren Ländern als "zentrale Aufgabe der Kirchen". Christen sollten Flüchtlinge nicht nur willkommen heißen, sondern vor allem die Ursachen in den Herkunftsländern bekämpfen helfen. Der ehemalige Chef des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer erklärte, wenn das Umsteuern auf Erneuerbare Energien und mehr Klimaschutz nicht gelinge, "werden wir keine friedliche Welt haben".

Die Signale, die vom "westfälischen Kirchentag" ausgingen, brachte Adel Tawil auf den Punkt: "So soll es sein, so schön bunt", sagte der Sänger, selbst ein Kind nordafrikanischer Einwanderer, mit Blick auf die vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten im Stadion.

"Christival" in Karlsruhe endet mit Gottesdienst

Mit einem Abschlussgottesdienst, an dem 10.000 Besuchern teilnahmen, ist am Sonntag auch die bundesweite Jugendbegegnung "Christival" in Karlsruhe zu Ende gegangen. Das fünftägige Treffen, zu dem insgesamt 13.000 junge Leute gekommen waren, stand unter dem Motto "Jesus versöhnt". Er hoffe, dass viele Jugendliche Impulse für ihren Glauben hätten mitnehmen können, erklärte der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh am Sonntag. Er lobte zudem die "sehr gute Kooperation" der unterschiedlichen kirchlichen Jugendverbände.

Eine positive Bilanz des "Christivals" zog der 1. Vorsitzende Karsten Hüttmann (Kassel). Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden hätten gemeinsam sehr konkrete Ideen entwickelt, "wie sie zusammen an ihrem Ort die Botschaft der Versöhnung Gottes weitertragen können".

Das Tagungsprogramm des christlichen Jugendtreffens umfasste 500 Einzelveranstaltungen. Dazu gehörte auch eine "Infomeile" mit mehr als 150 Ausstellerständen unter anderem zu christlich geprägten Aus- und Fortbildungsangeboten und zu ehrenamtlichen Betätigungsfeldern.

Thema Flüchtlingsproblematik

Im Mittelpunkt der Gottesdienste, Bibelarbeiten, Sport-, Informations- und Kulturangebote sollten alltagstaugliche neue Glaubensimpulse stehen, wie die Veranstalter mitteilten. Auch die Flüchtlings-Problematik war Thema des "Christivals".

Durch einen eigenen Fonds wurde es 50 Flüchtlingen ermöglicht, an dem Treffen teilzunehmen. Flüchtlingskinder wurden zu einem Spiele-Nachmittag eingeladen. Außerdem stand der Besuch einer Flüchtlingsunterkunft in Karlsruhe auf dem Tagungs-Programm. Am Samstagabend fanden sich 15.000 Menschen bei einem "Christival-Picknick" ein, das im Karlsruher Schlossgarten von der evangelischen Kirche, der Evangelischen Allianz und der Stadt organisiert wurde.

Das "Christival" fand zum sechsten Mal seit dem ersten Treffen 1976 in Essen statt. Veranstaltet wird das christliche Festival für "Orientierung und Wegweisung, Hilfestellung und Förderung" von dem Verein Christival e.V.

(epd, dr)

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