Bischof Felix Genn
Bischof Felix Genn

13.02.2016

Kirchen feiern bundesweit älteste ökumenische Gespräche Bischöfe loben Miteinander

Bis vor 50 Jahren herrschte Eiszeit zwischen Protestanten und Katholiken: Mit einem Festakt in Vechta haben die evangelische und die katholische Kirche nun die bundesweit ältesten ökumenischen Gespräche auf Leitungsebene gefeiert. 

Mit einem Festakt in Vechta haben die evangelische und die katholische Kirche im Oldenburger Land am Samstag die bundesweit ältesten ökumenischen Gespräche auf Leitungsebene gefeiert. Der katholische Bischof von Münster, Felix Genn, sagte in dem Gottesdienst, die ökumenischen Kontakte hätten sich zu einer "Segensgeschichte" entwickelt. Der Vechtaer Weihbischof Heinrich Timmerevers erläuterte, die Gespräche seien erst durch die Öffnung der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) möglich geworden. Auch wenn die Ökumene noch lange nicht am Ziel sei, habe sie doch im Oldenburger Land eine Qualität erreicht, "hinter die wir nicht mehr zurückwollen".

Der evangelische Bischof Jan Janssen mahnte in seiner Predigt in der Vechtaer Klosterkirche, "die Ökumene nicht nur auf die leichte Schulter der Machbarkeit zu nehmen". Vor 50 Jahren trafen sich erstmals die jeweiligen Bischöfe der Region, um theologisch strittige Fragen zu klären - früher als anderswo in Deutschland.

"Sehr gutes Miteinander"

Janssen erinnerte daran, dass sich beide Kirchen lange Zeit voneinander abgegrenzt hätten. Es habe Spott, Verachtung und Verwerfungen gegeben. Insbesondere konfessionsübergreifende Familien hätten darunter leiden müssen. Inzwischen sei das Miteinander aber sehr gut. Janssen rief seine katholischen Amtskollegen auf, den gemeinsamen Weg weiterzugehen. "Und gehen wir nicht mehr argwöhnisch und lauernd vor", schärfte der Bischof den Zuhörern ein - sonst hätten die Vorgänger gar nicht erst anfangen müssen. Bereits mehr als 80 Mal hätten sich die regionalen Kirchenvertreter zu offiziellen Gesprächen getroffen.

Der katholische Bischof von Münster, Felix Genn, sagte in dem Gottesdienst, die ökumenischen Kontakte hätten sich zu einer "Segensgeschichte" entwickelt. Der Vechtaer Weihbischof Heinrich Timmerevers erläuterte, die Gespräche seien erst durch die Öffnung der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) möglich geworden. Auch wenn die Ökumene noch lange nicht am Ziel sei, habe sie doch im Oldenburger Land eine Qualität erreicht, "hinter die wir nicht mehr zurückwollen".

Taufe erstmals anerkannt

Der evangelische Kirchenhistoriker Rolf Schäfer betonte in einem Vortrag die Bedeutung der frühen Ökumene im Oldenburger Land. Am 8. Januar 1966 kamen auf Initiative des damaligen Oldenburger evangelischen Bischofs Gerhard Jacobi (1891-1971) erstmals Bischöfe beider Konfessionen zusammen. Die heute selbstverständliche gegenseitige Anerkennung der Taufe sei damals die erste Übereinkunft gewesen. Bis dahin mussten sich evangelische Christen bei einem Übertritt zur katholischen Kirche erneut taufen lassen. In Deutschlandweit sei dies erst viele Jahre später abgeschafft worden. Gemeinsam setzten sich beide Kirchen heute für den konfessionellen Religionsunterricht an Schulen ein. Umstritten blieben jedoch die Fragen der Ordination von Pfarrern und des gemeinsamen Abendmahls.

Als Gäste berichteten der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten, und der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beim Bund und der EU, Martin Dutzmann, von ihrer gemeinsamen Arbeit. Die Bundespolitiker seien sehr an einer gemeinsamen Stimme der Kirchen zu sozialethischen Fragen interessiert, sagte Dutzmann. Dies sei etwa bei der Debatte um den assistierten Suizid deutlich geworden. Der frühere lippische Landessuperintendent kritisierte jedoch scharf das Vorgehen der Bundesregierung beim Asylpaket II: Das Kabinett habe den Kirchen lediglich acht Stunden für eine Stellungnahme eingeräumt. Dies hätten die Kirchenvertreter einmütig abgelehnt.

(epd)

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