Postkarte mit Porträt von Martin Luther
Postkarte mit Porträt von Martin Luther

16.10.2015

Bistum Magdeburg gründet Ökumene-Projekt zu Reformationsgedenken Katholischer Blick auf Luther

Was denken Katholiken von Martin Luther - 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation? Ein Ökumene-Projekt des Bistums Magdeburg soll für eine unvoreingenommene Sicht auf den Reformator sorgen.

"Ketzer. Kirchenspalter. Lügner. Gottloser Schelm. Unverschämter Mönch": Die Gegner Martin Luthers waren erfinderisch, wenn es darum ging, ihrem Hass auf den Reformator Ausdruck zu verleihen. Ebenso wenig zimperlich war Luther selbst in seinen Äußerungen: In der "Papstkirche" herrschten "Wölfe, Räuber und geistliche Tyrannen", heißt es in einer seiner späten Schriften, der Papst sei gar der "Antichrist".

Projekt: "2017: Neu hinsehen - ein katholischer Blick auf Luther"

Aus der Distanz von beinahe 500 Jahren befremden solche Äußerungen nur noch - so gut sind die ökumenischen Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten inzwischen. Mit Blick auf das 500-Jahr-Gedenken des Reformationsbeginns, das die Evangelische Kirche in Deutschland 2017 begeht, hat das katholische Bistum Magdeburg nun sogar ein eigenes Projekt gestartet, das sich mit Luther beschäftigt. "2017: Neu hinsehen - ein katholischer Blick auf Luther" soll den verschiedenen Perspektiven in der katholischen Kirche auf den Reformator nachspüren - und damit auch die ökumenischen Beziehungen festigen.

Für Katholiken sei in der Regel die "Person Martin Luthers eher fern", betont der katholische Theologe Stephan Mokry, der für das Gemeinschaftsprojekt der Katholischen Akademie und der Erwachsenenbildung im Bistum Magdeburg zuständig ist. "Es herrscht aber eine neutrale Neugier." Er will dazu ermuntern, sich unvoreingenommen mit Luther zu beschäftigen. "Man weiß, dass er auf der Wartburg das Neue Testament übersetzt oder dass er geheiratet hat", fasst Mokry den üblichen Kenntnisstand von Katholiken zusammen.

Ihm geht es nun um weitergehende Informationen. Die Projektstelle ist in Halle an der Saale angesiedelt - mitten im "Lutherland". Dies sei für ihn wichtig, um auf den Spuren des Reformators zu wandeln, betont der gebürtige Münchner Mokry, der wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Universität seiner Heimatstadt war. Wittenberg, Eisenach, Eisleben - "ich bin immer wieder an den Orten, wo es passiert ist. Es herrschte damals ein regelrechtes Theologie-Treiben", so der 37-Jährige. "Das waren ja alles keine weiten Wege."

Bücher von katholischen Theologen über die Reformation in Planung

Im Rahmen des Projekts plant Mokry zwei Bücher, in denen katholische Theologen sich mit der Reformation beschäftigen. Es gibt eine eigene Homepage, und ein eigenes Arbeitsheft für den Religionsunterricht widmet sich dem Thema. Und Mokry organisiert Studienfahrten zu den Wirkungsstätten Luthers. Er will auch bundesweit "Erzählcafes" in Pfarreien anstoßen. Dort sollen Menschen zur Sprache kommen, deren Leben durch die Kirchenspaltung vor 500 Jahren heute noch bestimmt ist - etwa gemischt-konfessionelle Ehen.

"Es geht um die ökumenische Geschichte miteinander, die durchaus auch leidvoll ist", sagt Mokry. Er schrieb seine Doktorarbeit über Kardinal Julius Döpfner und das Zweite Vatikanische Konzil, das die katholische Kirche für den Dialog mit anderen christlichen Konfessionen öffnete. Durch seine Projekte erhofft sich Mokry eine bundesweite Ausstrahlung des Themas - und mehr gegenseitiges Verständnis.

Die Katholiken haben den Papst, und die Protestanten eben Martin Luther, hört Mokry immer wieder. "Aber es sind andere Formen der Wertschätzung", rückt er zurecht. "Protestanten schätzen Luther als denjenigen, dem sie ihren Glauben zu verdanken haben. Das ist aber nicht vergleichbar mit der manchmal kindlichen Verehrung von Katholiken für ihren Heiligen Vater."

Nina Schmedding
(KNA)

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