Heinz-Horst Deichmann
Heinz-Horst Deichmann

07.10.2014

Heinz-Horst Deichmann in Essen gestorben Schuhhändler, Milliardär und Missionar

Der große Nachkriegsunternehmer schuf nicht nur die größte Schuhhandelskette Europas. Als gläubiger Christ stampfte Deichmann auch ein Hilfswerk für Hunderttausende aus dem Boden. Seine letzte Bilanz: "Meine Träume sind erfüllt."

Heinz-Horst Deichmann, Seniorchef der gleichnamigen Schuheinzelhandelskette, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Der sozial und christlich engagierte Unternehmer starb bereits am Donnerstag in seiner Heimatstadt Essen, wie das Unternehmen am Montag in Essen mitteilte. Für sein unternehmerisches und soziales Engagement hatte der Unternehmer zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Die Union Evangelischer Kirchen (UEK) hatte ihn im September mit dem Karl-Barth-Preis geehrt.

EKD-Ratsvorsitzender Schneider würdigt Deichmann

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, würdigte das zutiefst christlich motivierte Leben und Handeln des Unternehmers. Die Dankesworte, die Heinz-Horst Deichmann zum Karl-Barth-Preis gesprochen habe, seien nun "ein öffentliches Vermächtnis geworden - ein Zeugnis für Jesus Christus und die Zugehörigkeit zu ihm", heißt es im Kondolenzschreiben des Ratsvorsitzenden.

"Christus ist Sieger", verweist Schneider in seinem Kondolenzschreiben auf den letzten Abschnitt des Vortrags "Christus und wir Christen", den Karl Barth 1947 gehalten hat. Für Heinz-Horst Deichmann habe dies eine einzigartige Bedeutung gehabt: "Die frohe Botschaft lautet: Es ist vollbracht! Alles ist vollbracht, was zur Ehre Gottes und zu unserem Heil notwendig ist. Wir sehen es nur noch nicht."

"Weites Herz für innovative Jugendarbeit"

Die evangelische Kirche in seiner Heimatstadt Essen würdigte ihn als Christen und großen Unternehmer. Wie kaum einem anderen sei es Deichmann gelungen, sein Christsein im Alltag auf vielfältige Weise zu leben, als Unternehmer wie als Wohltäter, erklärte die Essener Superintendentin Marion Greve am Dienstag. Für das evangelische Weigle-Haus, dem Deichmann sehr verbunden war, erklärte Pfarrer Rolf Zwick, mit ihm habe die Einrichtung einen guten Freund und starken Unterstützer verloren. "Der Tradition verbunden wie er war, hatte er immer ein weites Herz für innovative und missionarische Jugendarbeit." Deichmann habe seinen Reichtum als Aufgabe verstanden, sich zu engagieren.

Deichmann, der zunächst als Orthopäde arbeitete, übernahm 1956 die Leitung des Familienunternehmens. Unter seiner Leitung wurde die ursprünglich kleine Firma seines Vaters zum größten Unternehmen seiner Art in Europa. 2013 beschäftigte Deichmann nach eigenen Angaben 35.000 Mitarbeiter in 3.500 Filialen in Europa und den USA.

Heinz-Horst Deichmann war zuletzt stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats. Bekannt wurde der christlich engagierte Unternehmer auch durch sein soziales Engagement vor allem in Entwicklungsländern, das durch mehrere in- und ausländische Auszeichnungen gewürdigt wurde.

Deichmann, der nach Kriegsende evangelische Theologie und Medizin studierte, hatte im September für sein "theologisch begründetes Lebenswerk" den mit 10.000 Euro dotierten Karl-Barth-Preis erhalten.

Der Preis der UEK erinnert an den Schweizer Karl Barth (1886-1968), einen der bedeutendsten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts.

In seiner Laudatio hatte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, die lebenslange Prägung Deichmanns durch die Theologie Barths gewürdigt.

Theologiestudium in Bonn

Deichmann hörte als Theologiestudent 1946 in Bonn eine Vorlesung bei Barth. "Als Arzt, auch als Unternehmer und Wohltäter, konnten Sie den christlichen Glauben öffentlich verantworten und haben es in größtem Stil getan: als Unternehmer durch die Entwicklung einer beispielhaften Unternehmenskultur; und als Wohltäter durch Engagements im Dienst Zigtausender Menschen nah und fern, in Deutschland und Europa wie in Asien und Afrika", sagte Schneider bei der Preisverleihung.

Den 1986 gestifteten Karl-Barth-Preis verleiht der Zusammenschluss der unierten Kirchen alle zwei Jahre für ein herausragendes wissenschaftlich-theologisches Werk oder Lebenszeugnis in Kirche und Gesellschaft. Zudem erhielt Deichmann den Gustav-Adolf-Preis der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für seine gesellschaftliche Vorbildfunktion und für seinen Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte im Ausland. Deichmann selbst rief den Deichmann-Förderpreis ins Leben. Mit dem Preis werden seit zehn Jahren Initiativen ausgezeichnet, die dazu beitragen, Kinder und Jugendliche in Beruf und Gesellschaft zu integrieren.

Heinz-Horst Deichmann habe den Leitsatz geprägt: "Das Unternehmen muss den Menschen dienen", hieß es in einer Pressemitteilung seines Unternehmens. Die Inhaberfamilie sei vom christlichen Menschenbild geprägt. So habe Deichmann 1977 das Hilfswerk wortundtat gegründet, das heute in Indien, Tansania, Moldawien, Griechenland und Deutschland rund 200.000 Menschen betreue.

 

(epd, dpa)

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