03.03.2013

Neuer rheinischer Präses feierlich ins Amt eingeführt Schneider geht, Rekowski kommt

In einem festlichen Gottesdienst in Düsseldorf ist Präses Manfred Rekowski als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland eingeführt worden. Kardinal Meisner hielt ein Grußwort.

Rekowski ist Nachfolger von Nikolaus Schneider, der seit 2003 Präses der zweitgrößten EKD-Gliedkirche war und der im Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet wurde. In seiner ersten Predigt als rheinischer Präses erinnerte der 55-jährige Theologe aus Wuppertal daran, dass die Kirche Jesus Christus immer im Blick behalten müsse: "Am Anfang unserer Glaubensgeschichte, die erst später zur Kirchengeschichte wurde, steht der Gekreuzigte. Wer auf den Gekreuzigten sieht, sieht auch die Menschen in einem anderen Licht, blickt immer zuerst auf die Opfer, die Verlierer, die Abgehängten. Da ist Gott zu finden – an ihrer Seite. Und blickt erst dann auf uns, die Kirche, die Gemeinden", sagte Rekowski. Wer auf den gekreuzigten Jesus von Nazareth sehe, sehe auch die Menschen in einem anderen Licht.

Fortsetzungsgeschichte des Glaubens
Am Anfang – unter dem Kreuz – habe "ein ziemlich verlorenes Häuflein" gestanden, keine gesellschaftlich relevante Gruppe, keine schlagkräftige Organisation: "Am Anfang steht der Gekreuzigte, der etwas auslöst. Dieser Auslöser lehrt uns, loszulassen. Auch die Sorge um die Zukunft der Kirche. Von ihm lernen wir: Am Anfang steht nicht die gut aufgestellte Organisation. Am Anfang steht auch nicht die Sorge um die Institution", so der neue Präses weiter. Mit dem Kreuzestod und der Auferstehung Jesu habe "eine Fortsetzungsgeschichte des Glaubens begonnen, die irgendwann auch Sie und mich erreicht und uns umkehrbereit macht", wandte sich Manfred Rekowski an die Gemeinde in der Johanneskirche und an die Zuschauerinnen und Zuschauer, die den Gottesdienst live im WDR-Fernsehen verfolgen konnten: "Hier stehe ich. Ich kann auch anders. Ich stehe mit Schwestern und Brüdern dieser rheinischen Kirche, aber auch mit den Geschwistern anderer Traditionen und Konfessionen unter dem Kreuz. Unter  schiedliche Perspektiven – aber kein starrer Standpunkt. Gemeinsam schauen wir auf den, der will, dass ,alle eins seien’. So verrückt und bewegt uns der Glaube – ökumenisch und reformatorisch zugleich."

Die Landessynode, oberstes Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat im Januar neben dem neuen Präses folgende Personen als hauptamtliche Mitglieder der Kirchenleitung (Präsidium der Synode) gewählt: Vizepräses Petra Bosse-Huber (Leiterin der Abteilung II, Theologie und Diakonie), Vizepräsident Dr. Johann Weusmann (Leiter der Abteilung V, Recht und Politik), Oberkirchenrat Bernd Baucks (Leiter der Abteilung VI, Finanzen und Vermögen), Oberkirchenrat Klaus Eberl (Leiter der Abteilung IV, Bildung) und Oberkirchenrat Christoph Pistorius (Leiter der Abteilung I, Personal). Als nebenamtliche Mitglieder der Kirchenleitung wurden gewählt: Superintendent Pfarrer Eckart Wüster, Eva Hoffmann von Zedlitz, Helmut Schwerdtfeger, Helga Siemens-Weibring und Marion Unger. Sie alle wurden in dem Gottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche eingeführt; ebenso die stellvertretenden nebenamtlichen Mitglieder Pfarrerin Susanne Beuth, Pfarrerin Karin Weber, Susanne Degenhardt,  Margit Groß-Schmidt, Katharina Quack, Michael Schneider, Hans-Joachim Schwabe und Edith Vonau.

Ermutigung vom scheidenden Präses
Ermutigendes gab der bisherige Präses Nikolaus Schneider der neuen Kirchenleitung in seiner Einführungsansprache mit auf den Weg: "Blickt nach vorn, wenn Ihr jetzt Eure Hände an den Pflug legt und neue Furchen für neue Wege unserer Kirche zieht. Klammert Euch nicht an Vergangenes. Lasst Euch von Vergangenem nicht gefangen nehmen. Ein ständiger Blick zurück auf schon eingefahrene Wege würde Euch hindern, zielgerichtet auszuschreiten", sagte der 65-Jährige zu Beginn des Gottesdienstes: "Auch der Kummer über vergangene Fehler oder der Stolz auf vergangene Erfolge sollen Euer Fühlen, Denken und Handeln nicht fesseln. Gottes Geist und Gottes Wort schenken Euch einen freien Blick nach vorn und die ermutigende Zuversicht."

Neben Nikolaus Schneider wurden der langjährige oberste Jurist Vizepräsident Christian Drägert (66), der in den Ruhestand geht, und der bisherige Finanzchef Georg Immel (59), der nicht mehr kandidiert hatte, sowie das nebenamtliche Kirchenleitungsmitglied Renate Brunotte aus Duisburg, die sich ebenfalls nicht mehr zur Wahl gestellt hatte, aus der Kirchenleitung verabschiedet.

Meisner: "Sei kreuzfidel!"
An der Einführung der neuen Kirchenleitung und der Verabschiedung der ausgeschiedenen Mitglieder nahmen zahlreiche hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft aus dem In- und Ausland teil. Darunter waren unter anderem die Ministerpräsidentinnen Hannelore Kraft (Nordrhein-Westfalen), Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz) und Annegret Kramp-Karrenbauer (Saarland), Bischof Dr. Zephania Kameeta (Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Namibia), Ephorus Willem Simarmata (Toba-Batak-Kirche Sumatra), Marlehn Thieme (Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland), Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier) und der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. In seinem Grußwort dankte er Schneider für "unsere gute ökumenische Nachbarschaft und für unser vertrauensvolles Miteinander." Düsseldorf sei ein fester Grund für Berlin, "wo Sie sich nun ganz der Aufgabe als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland widmen können. Dazu Gottes reichsten Segen!", so der Kardinal weiter. Den neuen Präses bat er "um die Fortsetzung unseres ökumenischen Weges." Über all das, was nun auf ihn zukommen werde, "möchte ich zunächst ein kurzes, oberflächlich klingendes, aber sehr tiefes Wort schreiben: ´Sei kreuzfidel!´. "Fidel“ habe eine dreifache Bedeutung: "Es heißt: ´Sei gläubig!´, ´Sei treu!´, und ´Sei fröhlich!´." (ekir)

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