27.05.2009

20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer erinnert sich der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an seine ganz persönliche deutsch-deutsche Geschichte. Im großen Pfingstinterview mit der Kölner Kirchenzeitung und domradio.de spricht der Kölner Kardi "Wenn man mit einem Löwen im Käfig sitzt, dann zieht man ihn nicht am Schwanz!"

Kardinal Meisner über den Arbeiter- und Bauernstaat

"Ich bleibe dabei: Die DDR war ein Unrechtsstaat, der seine Menschen bespitzelte, verfolgte und hinter Mauern und Stacheldraht einsperrte. Wer sich danach zurücksehnt, hat vieles nicht verstanden."

Kardinal Meisner über die kommunistischen Versuchungen "Das Theater ging schon in der Schule los. Wir mussten Russisch lernen. Wir empfanden das so, dass man uns dadurch zu Kommunisten machen wollte."Kardinal Meisner über seine Zeit im Kommunismus"Ich habe ja 45 Jahre unter dem Kommunismus gelebt und habe die letzten neun Jahre als Bischof von Berlin die ganze Absurdität mitbekommen... Ich habe also hautnah erlebt, was die Teilung der Welt, nicht nur die Teilung Deutschlands, für das Schicksal der Menschen bedeutet hat. Ich war mir immer klar, dass das kommunistische System nicht auf Dauer bestehen wird, weil es auf Lüge aufgebaut ist, und eine Lüge hält nicht."Kardinal Meisner über Kirche im Kommunismus "Wir haben uns als Kirche nie in einen goldenen Käfig einsperren lassen. Wir haben immer die Solidarität mit den Leuten gehalten… Aber wenn man mit einem Löwen im Käfig sitzt, dann zieht man ihn nicht am Schwanz!"Kardinal Meisner über seine heimlichen Priesterweihen"Ich kannte die Schicksale der einzelnen Priester. Oft wussten es nicht einmal die Eltern, die Geschwister, dass sie Priester sind."Kardinal Meisner über den Papst aus Polen "Johannes-Paul II. ist allen deutschen Politikern um x Nasenlängen voraus gewesen, die nicht glaubten, dass das System über kurz oder lang untergeht. Ich habe es ja selber nicht für möglich gehalten. Aber er hat bewusst einen Ostdeutschen auf einen  westdeutschen Bischofstuhl gesetzt, um ein Zeichen zu setzen: "Leute, jetzt passiert was!"Kardinal Meisner über seinen Umgang mit Stasi-Verrätern"Vergessen nicht - aber ein Christ muss verzeihen und, das ist mir gar nicht so leicht gefallen."Die wesentlichen Passagen des großen Pfingstinterviews finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Kölner Kirchenzeitung und ab Donnerstag in Bild und Ton unter www.domradio.de. Im domradio wird das ganze Interview mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am Pfingstsonntag ab 18 Uhr ausgestrahlt. Der Kölner Heimatsender Center TV plant die Ausstrahlung des sechzigminütigen Interviews am Pfingstsonntag um 9 Uhr vor der Live-Übertragung des Pfingstgottesdienstes aus dem Kölner Dom und in einer Wiederholung am Sonntagnachmittag um 16 Uhr.