17.05.2011

Rheinische Post, 25.05.2009 Meisner geißelt DDR-Nostalgie

Köln Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, hat seine jahrzehntelange persönliche Erfahrung als Geistlicher in der DDR so bilanziert: "Der Sozialismus ist eine Außenstation der Hölle." Der 75 Jahre alte Schlesier, der Weihbischof in Thüringen und Bischof von Berlin (mit Dienstsitz im Osten der Stadt) war, bevor ihn Papst Johannes Paul 11. 1989 nach Köln berief, zeigte im Gespräch mit der Kölner Kirchenzeitung und dem örtlichen Domradio kein Verständnis für das Schönreden der DDR: Es sei skandalös, wenn noch heute Menschen behaupteten, in der DDR sei vieles besser gewesen. Meisner: "Ich bleibe dabei: Die DDR war ein Unrechtsstaat, der seine Menschen bespitzelte, verfolgte und hinter Maliern und Stacheldraht einsperrte. Wer sich danach zurücksehnt, hat vieles nicht verstanden. " Die Hauptsarge eines überzeugten Christen in der DDR habe der Zukunft der Kinder gehört: "Wenn sie nicht bei den Pionieren waren, nicht bei der FDJ waren, gab es keine Möglichkeit, auf die Oberschule zu gehen, um Abitur zu machen: "Von einer gewissen hierarchischen Stufe an konnten Christen nichts werden." Meisner gestand, es sei ihm nicht leicht gefallen, zu verzeihen: "Ich habe vom Willen her gesagt: "Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", aber dass es vom Kopf nach hier runter ins Herz kommt, das dauert eine ganze Zeit." Der in der DDR Aufgewachsene berichtete auch Anekdotisches, etwa von der Weigerung als Schüler Russisch zu lernen: "Wir empfanden das so, dass man uns dadurch zu Kommunistenmachen wollte." Oder von der ersten Westreise, 1973 nach Innsbruck: "Vor dem Bahnhof waren Obststände mit vielen Bananen, Jetzt isst du dich mal satt an Bananen, habe ich mir gesagt. Ich glaube, ich habe fünf Stück gegessen."