24.05.2011

Kirchenzeitung Köln 26.02.2010 Für eine zweite "Missionale" in Düsseldorf

Für eine zweite  "Missionale" in Düsseldorf
"Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende, Jürgen Rüttgers, als er nach seiner Meinung zum Abhängen der Kruzifixe in den Düsseldorfer Gerichtssälen befragt wurde. Man darf ihm
das auch gerne glauben - wo er doch so oft betont, wie wichtig ihm die christlichen Grundwerte seien. "Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht" - das klingt jedoch leider allzu sehr nach einer ratlosen, politischen Entschuldigung. Da fehlt nur noch der Zusatz: Ich kann ja nun wirklich nichts für diesen Schlamassel, und machen kann ich dagegen auch nichts. Und das ist wohl auch so. Trotzdem bekommt man bei genauerem
Hinhören die Zusprüche, die nach dem religiösen Skandal in der Landeshauptstadt laut geworden sind, nicht unbedingt so recht übereinander. Lässt sich etwa der CDU Landtagsabgeordnete Hendrik Wüst mit markigen Worten unter anderem über die "christliche Tradition des Landes" zitieren, dann ist dies zwar gut gemeint. Ausrichten kann er damit allerdings genauso wenig wie sein Chef mit seinem Bedauern. Mit frommen Traditionen kommen die Christen kein Stück tiefer auf den Grund des Kruzifix-Streits. Der Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp kam dagegen im Domradio-Interview
klipp und klar darauf zu sprechen, warum die Entscheidung der Gerichtspräsidenten geradezu  zu "fatal" sei: "Die Rechtsordnung fußt auf dem christlichen Gottes- und Menschenbild." Das darf man sicherlich so kompromisslos verstehen, wie es gesagt ist und wie es ein Politiker kaum zu sagen wagen dürfte, solange er vom Volk gewählt werden will. Aber woher sonst sollen denn im Kern die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen und seine Rechte stammen? Und wie könnten sie deutlicher symbolisiert werden?
Natürlich räuspern sich da gleich wieder die üblichen Kritikaster und Besserwisser. Das
seien ja bloß alte Märchen, welche die Kirche unserer modernen Gesellschaft immer noch erzähle, heißt es dann. Dieselben Leute meinen dann, die Rechte und Gesetze, die heute das Leben der Menschen ordnen, seien sozusagen durch Evolution entstanden. Im Geschichtsbild klafft zwischen den römischen Juristen der Antike und den gottlosen Aufklärern der Neuzeit ein schwarzes Loch. Was christliche Denker rund ums "finstere Mittelalter" etwa zur Entwicklung des Naturrechts und zu den Menschenrechten lange vor der UNO beigetragen haben, interessiert nicht. Das ist sch lichtweg Ignoranz. Kann es wirkl ich angehen, dass hochbeamtete Vertreter unserer Rechtsordnung sich zum vorauseilenden Gehorsam hinreißen lassen durch die Zeitgenossen, die unser christlichen Wurzeln am liebsten endlich ganz und gar ausrupfen wollen? gegen eine Art zweite "Missionale" in
Düsseldorf zur Verteidigung der Kreuze in der Öffentlichkeit - das wäre schon was Feines ...
STEPHAN GEORG SCHMIDT