30.10.2004

Leserbriefe Die Kirche ist unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen

Zu den Berichten über die Streichung der finanziellen Zuschüsse für die Karl-Rahner-Akademie. Wenn ich höre, dass zum Beispiel dem Domradio - also Ihrem eigenen Sprachorgan, Herr Kardinal, -keinerlei Kürzungen drohen, sondern die Zuschüsse in voller Höhe weitergezahlt werden, dagegen der Akademie der Geldhahn komplett zugedreht wird, liegt doch der Verdacht nahe, dass man die Gelegenheit nutzt, unbequeme Einrichtungen aus dem Weg zu räumen. Es erschreckt mich als Christ zutiefst, dass Gerechtigkeit und Solidarität bei der Obrigkeit unserer „Heiligen Katholischen Kirche" (der ich seit fast 70 Jahren angehöre) einen derart geringen Stellenwert einnehmen.Helga Lauterbach, KölnDie Kirchenkrise besteht nicht so sehr in einer Glaubenskrise oder darin, dass die Menschen massenweise die Kirche verlassen haben, sondern: dass die Kirche zuvor die Menschen in ihren Fragen, Nöten und Ratlosigkeiten verlassen hat und klerikal bei sich selbst geblieben ist, unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen, und verhärtet in dem, was sie für gut, richtig und - wie etwa das Opus Dei - für unterstützens-wert (und wie!) hält. Ihre besonders im Erzbistum Köln notorische Klage, dass es die anderen seien, zum Beispiel die Karl-Rahner-Akademie, die ihr Freiheitskonto überzogen, ihre Dialogbereitschaft überstrapaziert, ihre Kirchenkritik übertrieben und so angeblich die Gläubigen überfordert hätten, bestätigt es.Dr. Tiemo Rainer Peters, MünsterDie Tatsache, dass es die Karl-Rahner-Akademie trifft und treffen soll, macht die zweifache Tragik deutlich, in der sich die Kirche zurzeit befindet. Zum einen laufen ihr die Gläubigen in Scharen davon. Die Möglichkeiten werden ausgeblendet, in denen die Zukunft der Kirche noch zu retten wäre. Ist es nicht irgendwie konsequent, dass die Akademie eines der ersten Opfer werden muss? Man fragt nicht nach den Ursachen des Niedergangs. Mit Fleiß und Eifer werden Maßnahmen ergriffen, die sich mehr und mehr als„Geisterfahrt" erweisen, als „Fahrt mit voller Kraft voraus in die falsche Richtung". Natürlich spielen „Säkularismus" und die „böse Welt" eine große Rolle. Aber eine ebenso große Versagensschuld spielt ein borniertes Kirchen- und Verkündungsver-ständnis. Thomas v. Aquin hat es schon gewusst: Die größte Sünde ist die „Verhärtung im Guten"!Prof. Dr. Fritz Köster, SAC, BoppardUnsere Leserinnen und Leser haben hier mit ihren Meinungen das Wort. Wegen der großen Zahl der Briefe kann nur eine Auswahl veröffentlicht werden; ebenso sind Kürzungen oft unvermeidlich.