09.06.2010

Funkfenster 09.06.2010 Das Kölner domradio feiert seinen 10. Geburtstag

Das Projekt Domradio begann am 11. Juni 2000 durchaus spektakulär: „Wir hatten um den Segen von oben gebeten, und das macht bei uns natürlich der Kardinal. Der hatte Weihrauch mitgebracht und es gab sofort einen Feueralarm. Und so furios ging es auch im Programm weiter“, erinnert sich Ingo Brüggenjürgen. Der Chefredakteur des Domradios in Köln ist auch nach zehn Jahren ganz euphorisch, wenn er über sein Programm reden kann. Bis heute ist er von dem Sendekonzept überzeugt: Das Domradio soll christliche Stimmen und Positionen in den gesellschaftlichen Dialog bringen.

Funkfenster. Das Projekt Domradio begann am 11. Juni 2000 durchaus spektakulär: "Wir hatten um den Segen von oben gebeten, und das macht bei uns natürlich der Kardinal. Der hatte Weihrauch mitgebracht und es gab sofort einen Feueralarm. Und so furios ging es auch im Programm weiter", erinnert sich Ingo Brüggenjürgen. Der Chefredakteur des Domradios in Köln ist auch nach zehn Jahren ganz euphorisch, wenn er über sein Programm reden kann. Bis heute ist er von dem Sendekonzept überzeugt: Das Domradio soll christliche Stimmen und Positionen in den gesellschaftlichen Dialog bringen.  
Christliche PositionierungWie das im Sendealltag funktioniert, lässt sich gut am Beispiel Afghanistan sehen. Für die Berichterstattung über den Bundeswehreinsatz nimmt der Sender zu einem Militärpfarrer, der in Afghanistan stationiert ist, Kontakt auf und interviewt ihn in der morgendlichen Magazinsendung.
Solche Kontakte pflegt das Domradio intensiv. Dazu gehören auch Verbindungen zu Organisationen wie "Amnesty International" oder "Ärzte ohne Grenzen", die ein fester Bestandteil des Redaktionsalltags sind. Die Organisationen machen das Redaktionsteam mit 15 festangestellten und etwa zwanzig freien Mitarbeitern auf neue Themen aufmerksam und können rasch Verbindungen zu Experten aufbauen. Montagvormittags hat das Domradio sogar einen Extra-Sendeplatz für sie reserviert: Von zehn bis zwölf Uhr können die Hilfsorganisationen über ihren weltweiten Einsatz berichten.
ProgrammInsgesamt muss das Redaktionsteam täglich etwa zwölf Stunden Wort-Programm füllen. An diesem Programmschema hat sich über die Jahre hinweg wenig geändert. Morgens um sechs Uhr geht es los mit der "Laudes", der Morgenliturgie. Danach folgt das Morgenmagazin mit aktuellen Informationen, Hintergründen, der Presseschau und Veranstaltungstipps. Nachrichten, immer zur halben Stunde, gehören natürlich auch fest ins Programm. Über den Tag verteilt gibt es darüber hinaus spezielle Informationen aus der Kirche oder dem Vatikan, aber auch Talkrunden und Beratung zu Lebensfragen.
Besonderes Augenmerk legt die Redaktion auf die aktuelle Missbrauchsdebatte in der Kirche. "Wie konnte es dazu kommen?" Diese Frage wurde mit einem Psychoanalytiker und mit Hörern diskutiert. Andere Sondersendungen zum Missbrauch durch Angehörige der Kirche wurden in das aktuelle Programm aufgenommen. Die Redaktion dokumentierte die Position des Papstes, der die Missbrauchsfälle von Amerika bis Irland verurteilte. Den Kritikern des Papstes, der sich zu den deutschen Fällen bislang nicht geäußert hat, begegnet Ingo Brüggenjürgen gelassen: "Der Heilige Vater orientiert sich nicht an unserer Tagesaktualität. Wenn die entsprechenden Vorfälle hier in Deutschland aufgearbeitet werden, dann wird es eine Stellungnahme geben."
ProgrammfreiheitAnders als bei einer Kirchenzeitung ist Kardinal Meissner nicht "Herausgeber" des Senders, und deshalb sieht Ingo Brüggenjürgen das Domradio auch nicht als Sprachrohr des Kölner Bistums. "Wir entscheiden frei über unsere Themen", versichert er, verweist aber auch darauf, "dass die christliche Orientierung bei der Themenauswahl mitschwingen muss". Daran ist schließlich auch die Sende-Lizenz gebunden, die das Domradio von der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in Düsseldorf bekommen hat. In vier Jahren muss sie erneuert werden. Brüggenjürgen ist sehr zuversichtlich, dass das Domradio auch danach weiter senden kann.
ZuversichtDie Schwierigkeiten, die derzeit "Radio Paradiso", das Schwesterprogramm der evangelischen Kirche in Berlin hat (dem Sender wurde nach 14 Jahren die Lizenz nicht verlängert), sieht er nicht auf den Kölner Sender zukommen. "Wir haben mit über fünfzig Prozent einen hohen Wortanteil und bauen unser Angebot im Internet weiter aus", erläutert Brüggenjürgen. Dort gibt es seit einem Jahr neben dem Radioprogramm ein tägliches Videonachrichtenmagazin. Immer mehr Hörer nutzen auch die Podcast-Angebote des Senders.
MusikfarbeEingeschaltet wird das Domradio auch nach zehn Jahren noch wegen der Musik. Die harmonischen Stücke von Eric Clapton bis Sting scheinen sich für viele Hörerinnen und Hörer besonders gut als Hintergrund im Alltag zu eignen. " Die Hörer jenseits der vierzig schätzen das Domradio, weil sie bei uns eben nicht von schrillen Tönen oder von Werbung gestört werden", meint Chefredakteur Brüggenjürgen.

ZeitgeistFür die Jüngeren gibt es am Samstagnachmittag Musik pur: Dann spielt das Domradio Hörerwünsche und der Moderator stellt einzelne Interpreten genauer vor. Natürlich werden auch die aktuellen Titel aus den Charts aufgelegt und Tipps für Konzerte weitergegeben. Die abendliche Lichterfeier des internationalen ökumenischen Ordens Taizé lockt eine spezielle Hörergruppe ans Radio, die den Liedern aus Frankreich live lauschen will.

Hörerschaft "Liebes Domradio-Team, Sie haben den besonderen Mix aus guter Musik, aktuellen Nachrichten und Momenten des geistigen Innehaltens, das auch meine Schüler immer wieder überrascht." So schreibt ein Lehrer aus Bocholt an das Domradio. Dort flattern regelmäßig Hörerbriefe in die Redaktion und zwar dank des Internetempfangs aus ganz Europa. Auch beim ökumenischen Kirchentag, der vor einigen Wochen in München stattfand, bekam das Domradio viele positive Rückmeldungen zum Programm, erinnert sich Ingo Brüggenjürgen, der selbst von dort live berichtet hat.
Dank der UKW-Frequenzen, die der Sender nach langem Ringen vor zwei Jahren im Raum Köln bekam, erreicht das Domradio rein technisch 3,6 Millionen Haushalte. Wie viele Hörer nun aber genau den Kölner Sender via Kabel, DAB, Satellit, Internet oder UKW einschalten, darüber wüsste Brüggenjürgen gern mehr. "Leider hat der Sender keine quantitativen Untersuchungen, die darüber Auskunft geben könnten", bedauert er.
Ausblick Allzu prophetisch will Brüggenjürgen nicht auf die nächsten zehn Jahre blicken. Klar ist nur, dass das Unternehmen "Domradio" immer mehr zu einer "Mehr-Medialen-Marke" ausgebaut werden soll. Grenzen werden dem Team nur über den Etat gesetzt, der im vergangenen Jahr 2,1 Mio. Euro umfasste und sicher keine allzu großen Programmsprünge zulässt. Brüggenjürgen glaubt aber an den guten Draht nach oben und dass das Domradio ein Vorbild für andere kirchliche Sender bleiben wird. Bettina Köster
Anmerkung der Redaktion:Pünktlich zum Jubiläum hat das Domradio ein Bischofs-Quartett mit allen deutschen Kardinälen und Bischöfen herausgegeben. Die Quartettkarte zu Walter Mixa wurde kurz vor Druckbeginn herausgenommen und durch eine "Joker-Karte" ersetzt. Das Quartett kostet 4,90 Euro.
Der Artikel ist am 9.6. im Funkfenster erschienen