Blühender Vorgarten
Blühender Vorgarten

21.06.2020 - 07:10

und Erdfesten zur Sonnenwende Von Gärten des Grauens

Leuchtendes Orange und kühles Lavendelblau, dazwischen eine Explosion in Rot. Ein Vorgarten in der Nachbarschaft blüht gerade besonders schön.

Seitdem ich wegen Corona so viel zu Hause bin, habe ich nicht nur unseren Garten neu entdeckt. Sondern auch die Vorgärten in der Gegend.

Manche haben mich immer schon fasziniert. Wie der Vorgarten eines Bauernhofes, der entlang eines Wassergrabens verläuft, eigentlich eine ganze Gartenanlage ist und in weiß und rosa, blau und lila, orange und rot blüht.

Und immer summt und brummt es hier von Bienen und Hummeln und was weiß ich.

Auf meinen Wegen komme ich aber immer häufiger auch an steingrauen Gärten vorbei. „Gärten des Grauens“ nennt sie der Biologe Ulf Soltau. Jeden Tag bekommt er hunderte Bilder von Vorgärten geschickt, in denen es nur noch Kies, Split oder andere Steine gibt.

In einer aktuellen Dokumentation im ZDF erzählt Ulf Soltau, welche Folgen diese Vorgärten haben. Hier wachsen nicht nur keine Blumen und Blüten, also gibt es hier keine Nahrung für Bienen und Insekten. Nein, diese mit Flies ausgelegten Gärten verhindern auch, dass Regenwürmer und andere Tiere ihre Arbeit leisten, damit die Erde gelockert wird und Wasser aufnehmen kann.

Die Erde wird nach unten abgedichtet. Und nach oben versteinert.

Puh. Das ist neu für mich. Jeder neue Steinvorgarten wird mir noch mehr ins Herz schneiden.

Was tun? Die Menschen wollen ja einfach nur ihre Ruhe haben. Sind genervt von ihren Vorgärten, wollen ihre Zeit nicht mit Unkraut zupfen und gießen verbringen.

Mehr Wissen über die Zusammenhänge hilft offensichtlich nicht, damit Menschen auch Zeit für die Pflege von Natur aufbringen. Was also tun?

Erleben statt Wissen könnte helfen, sagt die Erdfest-Initiative. Das breite Bündnis, vom Bundesamt für Naturschutz über den Club of Rome bis zur Ökumenischen Initiative Eine Welt, lädt zur Sommersonnwende an diesem Wochenende ein, sogenannte Erdfeste zu feiern, die Natur, ob als Blume am Balkon oder Wegesrand, als Wiese oder Wald oder wo auch immer zu entdecken, wahrzunehmen. Zu feiern. In Beziehung zu treten.

Eine schöne Idee.

Und vielleicht eine neue Hoffnung. Dass nicht nur unsere Kinder, sondern auch unsere Kindeskinder noch durch blühende Welten laufen können, vorbei an leuchtendem Orange, kühlem Lavendelblau, und, dazwischen, eine Explosion in Rot.

Das wäre: wunderbar.