05.10.2014 - 07:50

Vom Planen und Leben Sonne im Herbst

Keine Wolke am Himmel, die Eichen vom Spielplatz sind an den Spitzen schon golden gefärbt. Sehnsüchtig schaue hinaus. Meine Körperzellen fordern: "Beweg dich. Geh raus. Heute schließt das Freibad. Tauch noch einmal ein, schwimm der Sonne entgegen". Kaum seufze ich meinen Wunsch in die Frühstücksrunde, ist die Krise da.

Wütend verschränkt der Kleine die Arme, schleudert mir trotzig seinen "Du hast Kino versprochen"- Blick entgegen. Nein, nicht versprochen. So einfach ist es nicht. In Aussicht gestellt, dass wir heute Nachmittag, nach dem Mittagsbesuch von Freunden, ins Kino gehen, ja. Schon lange hüte ich mich aber, ihm irgendetwas zu versprechen. Aus jeder Überlegung macht er gleich ein Versprechen. Aus jeder Idee auch. Alle Kinder brauchen Strukturen. Der Kleine aber besonders. Bloß keine Ungewissheiten! So greift er nach allem, was ihm Halt bietet. Tut so, als sei es ein Versprechen gewesen, setzt uns auf die Anklagebank: "Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen".  

Ich versuche es noch mal:  rede vom Planen und vom Leben. Davon, dass wir immer Pläne machen und manchmal kommt dann das Leben dazwischen. John Lennon hat es schon lange zum klingen gebracht: Life is what’s happening, while you are busy making other planes. Das Leben ist das, was passiert, während wir unsere Pläne machen. So ist es: jemand wird krank, das Auto geht kaputt, die Patin trennt sich und zieht weg. Wir planen. Dann plant das Leben. Und der, der Lebensplan, ist dann der, der Plan gilt! Der Kleine aber hat es schwer, wenn das Leben ihm in seine Pläne spuckt. Ihm verspreche ich nur, was  ich  100% halten kann. Selbst  dann kann  mir noch ein Ziegel auf den Kopf fallen.

Der Kleine wird es schon lernen. Für heute verabschiede ich mich von der Freibadsaison innerlich. Frage die Große, ob sie mich auf ihrer Hunderunde in den goldenen Herbst mitnimmt. Schließlich kann der Kleine nur lernen, wie sich die Pläne mit dem Leben verbinden lassen, wenn wir Großen es ihm zeigen. Sonne bekomme ich auch beim Spaziergang. Soweit der neue Plan. Da klingelt das Telefon.

Die Freunde, die mittags kommen wollten, liegen vor Köln mit einer Autopanne fest. So kann ich doch im Wasser vom Freibad Abschied nehmen. Jeden Meter Kühle und Sonne gleichzeitig genießen. Danach treffen wir uns am Kino.

Der  Film war richtig gut.