14.12.2014 - 07:50

oder: Patenschaften können wunderbar sein Musste das sein?

Es war ein aufregender Moment. Damals. Als ich meinem neunjährigen Patensohn erzählte, dass ich bald selber Mutter würde. Merkwürdigerweise wurde das Kind ganz still.

Ich konnte immer alle Eltern verstehen, die ihren Kindern Paten an die Seite stellen. Damit mehr Schutz da ist, mehr Ansprechpartner, mehr Hilfe im Notfall sein kann.  Schließlich fühle ich selbst  nie so sehr das Bedürfnis, einem Wesen Schutz zu gewähren, als wenn mir  ein Neugeborenes in den Arm gelegt wird. Entsprechend sorgfältig haben wir  versucht die Paten unserer Kinder auszusuchen. Und entsprechend gefreut habe ich  mich, wenn ich für ein Patenamt angefragt wurde.

Mit jedem meiner Patenkinder verbinden mich ganz unterschiedliche Erlebnisse.  Zum Glück  konnten  die Kinder behütet  großwerden. Patin in der Not musste ich noch nicht sein. Ich konnte mich ganz der Sonnenseite widmen:

Das erste Patenkind habe ich als 16jährige Schülerin jeden  Abend gefüttert und oft zu Bett gebracht. Es wohnte nebenan und hatte noch drei große Brüder. Und ich  habe es geliebt,  babysittende Patin  zu sein! Eines stand mit knapp 10 vor mir, wollte getauft werden. Ob  ich ihre Patin würde? Eines wohnt weit weg, da müssen schon Schulferien sein, damit ein Besuch klappt. Eines habe ich in meinen ersten Jahren als Radioreporterin dem Kollegen in die Stadionkabine  zur Liveberichterstattung mitgegeben. Was mir meine Kinder, die viel später auf die Welt kamen, heute noch übelnehmen! Sie sind sozusagen nachträglich eifersüchtig.

Was aber auch umgekehrt passiert. Sozusagen vorträglich. Denn der kleine Patensohn öffnete damals, nachdem ich ihm  meine Schwangerschaft eröffnet hatte, seinen Mund nur um enttäuscht zu sagen: "Musste das sein?"

Ich schluckte. Aber verstand den Punkt. Na klar, bei zwei kleinen Schwestern, liebte er unsere Ausflüge und die exklusive Zeit zum spielen, Kindertheater oder Kino besonders. Bei nur einem Besuchskind ist es ja auch leicht, das Abendbrot Geschichten erzählen zu lassen. Von Booten und Walen, von Sonnen, die Blumen küssen oder Piraten, die auffordern mit ins Abenteuer zu stechen. Was Patinnen ebenso machen, wenn sie Zeit für ihre Patenkinder haben. Wenn die dann scheinbar vorbei ist, kann Kind schon mal eifersüchtig werden.

Heute ist das „Kind“  26 Jahre alt. Und  zu Besuch. Ich kann ganz in Ruhe diese Kolumne schreiben und Ihnen einen wunderschönen dritten Advent wünschen.

Weil mein Patenkind mit meinem Kind gerade Englisch lernt.