07.12.2014 - 07:50

oder: ein Leuchtschlitten im Vorgarten? Warum wir dem Weihnachtsbaum Asyl gewährten

"Können wir nicht auch so einen leuchtenden Schlitten haben?" Sehr unglücklich und sehr flehend schaut mich der Kleine an. "Oder so einen Weihnachtsmann, der am Haus klettert.“" Jaja, oder gleich Lichterketten an der Fassade... Dabei haben wir nicht einmal einen Weihnachtsbaum!

Natürlich sind wir  mitten im ältesten Erziehungskonflikt der Welt.  "Alle" haben das, nur wir nicht. Wie ungerecht. Und natürlich helfen starre Positionen hier gar nichts. Gilt nur, was die Eltern wollen? Das kann es ja nicht sein. Aber einen Tannenbaum in pink, weil die Kindergartentochter  darauf besteht?  Passiert. Aber nicht bei mir. Bleibt: verhandeln.  

In einem Jahr hatten wir einen Tannenbaum. Obwohl der für mich, und vielleicht mache ich  mich jetzt sehr unbeliebt, der Inbegriff einer Gartenzwergwelt ist. Die genau bis zum eigenen Zaun reicht. Natürlich weiß ich, dass das unhaltbar ist. Natürlich ist eine Tanne in Wirklichkeit immer nur ein nach Tanne duftender, ganz und gar unschuldiger, kleiner Baum.
Aber für mich muss Weihnachten nach mehr als nach heiler Familie duften. Ich wollte und will, dass unsere Türe aufsteht. Willkommen soll sein, wer kommen will. Besonders und  vor allem an Weihnachten. Weihnachten in der Familie ist wunderbar. Wir haben immer mit den Kindern gefeiert. Aber nie nur mit ihnen. Das wäre mir zu wenig Weihnachten. Und als Symbol für ein zu enges Weihnachtsfest hat sich mein Herz, ausgerechnet, den Tannenbaum gesucht.

"Aber Kind, wie kannst du dich denn um die Freude in den Kinderaugen am leuchtenden Baum bringen?" rief eine meiner Tanten entsetzt in unserem baumlosen Weihnachtszimmer. Die 24 brennenden Kerzen des Adventsweges (und  nochmal so vielen drumherum – schließlich soll auch unser Weihnachten hell und warm sein) -  zählten nicht.
Eine kleine Schultanne brach meinen Tannenbaum-Bann. Im ersten Schuljahr stand sie im Advent in der Klasse des Großen. Mit den Weihnachtsferien sollte sie auf den Müll. Schrecklich! Wir gewährten ihr Asyl. Der Große kaufte  Christbaumschmuck vom Taschengeld, die Liebe war also sehr groß. Für die Grundschulzeit hatten wir fortan einen Kompromiss. Ein Jahr entschieden die Kinder. Ein Jahr die Eltern. Heute sind die Großen emotionslos bei dem Thema. Der Kleine nicht.

Das Zimmer des Kleinen geht zur Straße. Vielleicht finde ich im Haus irgendetwas, dem ich eine Weihnachtsmannmütze überziehen kann. So, dass eine Figur entsteht, die gerade über das Fensterbrett des Kleinen lugt. Um ihm  beim nächsten Rollläden hochziehen, ein Friedensangebot zu überbringen: Merry X-mas!