Kinder brauchen Natur
Kinder brauchen Natur

22.02.2015 - 07:50

Vertrauen und Ermutigung statt Angst und Kontrolle Mokassions statt Helikopter

"Mokassinkinder. Mutig. Neugierig. Selbstbewusst". In der Flut von Neuankündigungen fällt mir dieses Buch auf: Geschrieben hat es eine Wildnispädagogin, die viel mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Und die behauptet, mutig und selbstbewusst würden Kinder, wenn wir sie für robust hielten und nicht für zerbrechlich.

Krissy Pozatek schlägt vor, dass wir doch, statt die ganze Welt mit Leder auszulegen, damit die zarten Füße unserer Kinder nirgendwo anstoßen, ihnen beibringen, Mokassins herzustellen. Das ist so logisch, dass es fast schon wieder zu einfach klingt. Aber gemach. Krissy Pozatek hat ein paar unangenehme Wahrheiten im Gepäck.

Ihr geht es besonders um die modernen Eltern. Die, die  wollen, dass ihre Kinder sich gut fühlen,  glücklich sind. Und sich für dieses Glück verantwortlich fühlen. Das ist der Knackpunkt. Wer so denkt, bekommt Angst, sobald die Kinder unglücklich sind. Nur deshalb kommen wir auf die Idee,  wie  Helicopter auszuschwärmen, punktgenau zu landen und vor Ort sofort einzugreifen. Leider lernen die Kinder so gerade nicht, glücklich zu werden. Jedenfalls nicht aus eigener Kraft. Das aber ist die Erfahrung, die Kinder machen müssen: Ich weiß mir zu helfen. Ich finde eine Lösung. Wer so denkt, hat Vertrauen. Und keine Angst vorm Leben.

Ich weiß, wovon ich rede. Ich kann es auch nicht ausstehen, wenn meine Kinder unglücklich sind. Sicher gehöre ich auch eher zu denen, die schnell eingreifen. Andererseits, da  bin ich ganz bei der Wildnispädagogin Krissy Pozatek, Kinder brauchen vor allem: Natur! So wurde ich ein Elternschreck: Kindergeburtstag im Novemberregen? Draußen? Übernachtung im Baumhaus bei Gewitter? Ferien auf einer einsamen Insel, ohne Strom und fließend Wasser? Nicht immer konnte ich andere Eltern überzeugen.

Aber nicht dass Sie jetzt denken, ich sei ach wie mutig, bräuchte gar kein Buch über Mokassinkinder: Ich vergesse nie, wie mein Großer mit sieben Jahren vor mir stand. Er sollte alleine mit dem Zug nach Köln kommen. Ich wollte ihn am Bahnhof abholen. Damit biss ich auf Granit "Nein, Mama. Ich komme allein zu Dir!"  O Gott. Der riesige Kölner Hauptbahnhof. So unübersichtlich. Lauter Gefahren ratterten durch  meinen Kopf. Aber dann sah ich diese entschlossenen Kinderaugen. Die mir Vertrauen abnötigten. Zittrigen Herzens stimmte ich zu. Schwitzte Literweise während er unterwegs war. Bis er vor mir stand. Strahlend. Und ungelogen, 5cm größer.

Kinder brauchen Wildnis. Oder Großstadtdschungel. Vor allem aber wohl: unser Vertrauen!