Kreuz im Licht
Kreuz im Licht

02.04.2021 - 07:10

WunderBar Es gibt Leid, das kann man nicht abwerfen. Nur tragen.

„Heute weiß ich, dass es Leid gibt, das man nicht abwerfen kann, sondern tragen muss“,

Lese ich in einem Interview der ZEIT mit Pater Klaus Mertes. Nach Ostern bekommt der Jesuit das Bundesverdienstkreuz für seinen Mut und seine Verdienste im Skandal um sexualisierte Gewalt in der Kirche verliehen.

Seit Klaus Mertes im Januar 2010 ehemalige Schüler und Schülerinnen aufrief, sich zu melden, wenn Ihnen im Canisius Kolleg sexualisierte Gewalt angetan wurde, ist jahrelang fast nichts passiert. Schon gar nichts, was Konsequenzen für die Täter gehabt hätte.

Erst nach einem Jahrzehnt hat sich das langsam geändert. Und wie wir alle wissen, war es in den letzten Wochen und Monaten kaum möglich, dem Thema in den Medien auszuweichen.

Für Klaus Mertes aber war alles, all die Jahre präsent: Das Leid der Menschen, die sexualisierte Gewalt erlitten hatten. Der Umgang der Täter mit ihrer Schuld oder wenigstens mit ihrer Verantwortung. Und last not least, der Umgang seiner Kirche mit ihm selber.

Kein Wunder, dass Klaus Mertes die Erfahrung gemacht hat, dass man manches Leid nicht abwerfen, sondern nur tragen kann.

Warum ich von das hier erzähle? Weil es Klaus Mertes trotz allem gelungen ist, ein glücklicher Mensch zu bleiben. Befragt, was geholfen hat, erzählt er:

„Wenn ich versuche, das Kreuz abzuwerfen, lande ich in der Verzweiflung. Und du kannst das Leid nicht allein tragen – die schrecklichen Geschichten, die du gehört hast, die Anfeindungen und Niederlagen. Freunde sind auch nicht durch professionelle Helfer ersetzbar. Du brauchst Begleiter für ein ganzes Leben.“

Freundinnen und Freunde fürs Leben also. Ganz und gar wunderbar finde ich, dass Klaus Mertes sagen kann: Solche Freunde gebe es. Ihre Treue nenne man dann wohl Liebe.

Welches Kreuz auch immer Sie aktuell mit Corona tragen oder eines, dass Sie schon Ihr ganzes Leben tragen müssen und nicht abwerfen können. Ich wünsche Ihnen Freundinnen und Freunde, die so treu sind, dass ihre Treue Liebe genannt werden kann.

(ak)