Junge in Burundi der hungert
Junge in Burundi der hungert

26.03.2017 - 07:20

Ein Foto. Eine Aufgabe Kleine bohrende Scheinwerfer

Große schwarze Augen schauen mich aus einem kleinen, schwarzen Jungengesicht an. Kleine Scheinwerfer. Bohrende Fragen.

Den  Knirps zu den bohrenden schwarzen Augen habe ich seit meiner Afrikareise im Februar als Hintergrundbild auf meinem Laptop. Der Knirps steckt in einem grauen Pulli, der Kopf verschwindet in einer riesigen Kapuze, die um ein Rotznäschen schlabbert.

Der Knirps hat einen dicken Bauch.  Er hat Hunger. Und Durst. Damit ist er nicht alleine in Ost- und Zentralafrika. Es herrscht Dürre, denn obwohl Regenzeit ist, regnet es kaum. 

Die deutsche Nothilfe, das Bündnis aller Hilfsorganisationen, schreibt auf ihrer Webseite: "Am Horn von Afrika in der Region um den Tschadsee sind über 22 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht, darunter zahllose Kinder.“

Gewalt und Verfolgung machen den Hunger noch größer. 300 Tausend Landsleute des kleinen Knirpses sind wegen Gewalt und Verfolgung auf der Flucht. Wer auf der Flucht ist, sät nicht, erntet nicht, hat nichts zu kochen.

Jedes Mal, wenn ich den Computer hochfahre, wundere ich mich. Über diese seltsame Welt, in der wir leben. In alles davon abhängt, an welchem Ort wir in diese Welt kommen.

Millionen Menschen sind auf der Flucht. Riskieren ihr Leben auf dem Weg nach Europa.

Das Europa, in dem ich zur Welt gekommen bin. Wie die meisten Europäer, habe ich nie gehungert. Und wenn ich an einen anderen Ort der Welt möchte, dann kann ich da hinreisen. Einfach so.

Alles nur, weil ich im Norden und nicht im Süden, in Europa und nicht in Afrika, geboren bin.

­­­­­Der wunderbare französische Philosoph Albert Camus hat mal gesagt: "Man muss sich nicht schämen, glücklich zu sein. Aber man kann sich schämen, alleine glücklich zu sein." Mit Blick in die Augen des Knirpses denke ich: Ich muss mich nicht schämen, keinen Hunger zu haben. Aber ich kann mich schämen, alleine satt zu werden.

Jedes Mal, wenn ich den Computer hoch oder runterfahre, sehe ich die Augen des kleinen schwarzen, hungernden Jungen. Außerdem fürchtet er sich. Vielleicht vor mir, ­einer fremden, weißen Frau mit Fotoapparat

Furcht und Fragen in seinen Augen versetzen mir jedes Mal einen Stich.

Gut so. Dann kann ich nicht so schnell vergessen, wo ich geboren bin. Welches Glück das ist.

Und welche Aufgabe.