pflückfrische Kirschen
pflückfrische Kirschen

02.07.2017 - 07:20

Die RE 7 hat mal wieder Verspätung Frische Kirschen und nette Menschen

Wie man gegen die Politik der reichen G20 Gipfelländer protestieren kann, in dem man in ganz Deutschland Stellwerke lahmlegt, ist mir ein Vollrätsel. Wenigstens aber weiß ich dieses Mal, warum die RE 7 verspätet ist

16 Jahre habe ich den Zug um halb neun genommen, damit ich  um zehn Uhr pünktlich am Mikrofon sein konnte. Seitdem die RE 7 privatisiert ist, fahre ich eine Stunde früher. Fünf Minuten Verspätung sagt der Fahrkartenautomat. Aus fünf werden zehn, aus zehn zwanzig, aus zwanzig dreißig Minuten.

Viertel vor neun: 40 Minuten Verspätung sagt die Anzeigetafel am Gleis jetzt. Mir reißt der Geduldsfaden. Oft kommen die Züge bei 40 Minuten Verspätung  nämlich gar nicht mehr in Krefeld an. Für genau diese Fälle steige ich nicht im eigentlich nahen Provinzbahnhof in die Bahn ein, sondern fahre mit dem Auto bis Krefeld. Zur Not bin ich so autonom. Heute ist Not.

"Ich nehme jetzt das Auto, soll sie Sie mitnehmen", frage ich einen freundlichen Pendler, der immer mit mir in Köln Hbf  aussteigt. Bevor er nicken kann, höre ich von rechts und links: "Dürfen wir auch mit?" 

Kurz danach fahren vier Kölnpendler in angeregter Unterhaltung vertieft über die Autobahn nach Köln. Was für ausgesprochen freundliche Menschen da in Wirklichkeit um mich herum im Zug sitzen, erfahre ich immer erst, wenn etwas schief geht.

Dieses Mal z.B. brauche ich zum Zugticket nicht auch noch das sündhaft teure Parkhausticket zu zahlen: einer meiner Mitfahrer besorgt mir einen Parkplatz in der Tiefgarage seines Unternehmens. Ein anderer drückt mir zum Dank morgenfrisch gepflückte Gartenkirschen in die Hand.

Alle Geschichten haben ein Ende. Diese hier hat drei:

Das erste Ende ist die Email, die ich später von einer anderen Zugfreundin bekomme. Sie hat die 40 Minuten auf die RE7 gewartet. Die tatsächlich kam. Und fuhr. Leider hielt der Zug dann nicht in Deutz. Sie musste nach Opladen und von da zurück nach Köln.

Das zweite Ende kam, als ich versuchte, das unverschuldet nicht genutzte Zugticket erstattet zu bekommen. Gerne, dann bekomme aber ich 50 Cent Gebühr und Sie nichts, sagte der freundliche Schalterbeamte. Ich wähnte mich in Absurdistan. Aber nun, so ist die Regel: Jede Ticketrückerstattung kostet den Bahnkunden 15 Euro Gebühr. Das Ticket kostet aber nur 14€50, ich müsse also noch 50 Cent bezahlen.

Das will ich nicht. Und konzentrier mich lieber auf das dritte Ende.

Und esse frische Kirschen

Moderation: Angela Krumpen