Facharbeiten schreiben
Facharbeiten schreiben

13.03.2016 - 11:36

Schutzengel haben viele Gesichter Das große Lachen

Fast Mitternacht. Zu dritt sitzen wir, mein erwachsener Patensohn, der Große und ich, auf dem Bett. Morgen früh muss die Facharbeit des Großen abgegeben werden. Korrekturen, Fußnoten, Literaturverzeichnis. Es ist noch viel zu tun und die Stimmung hätte allen Grund mehr als angespannt zu sein. Aber wir lachen und lachen.

Der Große schreibt gerne: Bildreich. Wortmächtig. Feurig. Der Große denkt gerne. Für die Facharbeit hat er ein interessantes, politisches Thema gewählt, viel gelesen, viel nachgedacht. Ist zu einem spannenden Schluss gekommen.

Der Große ist aber auch ein Freigeist. Freigeister unterwerfen sich selten gerne Konventionen. Die Facharbeit ist voller Konventionen: Schriftgröße, Zitierweise, Seitenzahl. Alles ist akribisch vorgeschrieben. Bitte so, wie es in der Handreichung auf der Homepage der Schule zum Herunterladen bereitsteht. Bitte immer so. "Ist doch egal, wie ich das schreibe. Hauptsache, ich kann belegen, wo ich es her habe", nörgelt der Große.

Als ich ihn, wenngleich so sanft wie irgend möglich, auch noch daraufhin weise, dass der Satz: "Das Feuer der Revolution brannte" zwar feine Revolutionslyrik, für diesen Zweck aber kaum geeignet sei, ist die Empörung groß: " Wieso kann man nicht so schreiben, wie man schreibt?". Meine Erklärung, dass Wissenschaft nachprüfbar, nicht blumig, sein soll, überzeugt ihn nicht.

Der Abgabetermin rückt näher. Der Druck wächst. Alle Versuche, bereitgestellte Chips, Angebote Korrektur zu lesen, werden zurückgewiesen. Mein Mutterherz bangt. Um die viele Arbeit und die schönen Gedanken. Halbfertig werden sie den Lehrer kaum entzücken. Und jetzt?

Kommt mein Patensohn, erfahrener, fortgeschrittener Student zu Besuch. "Liest du mal, was ich geschrieben habe" hören meine Ohren den Großen fragen. Der Patensohn liest. Aufmerksam. Macht sich viele Notizen. Setzt sich mit "Komm ich zeig dir, was ich meine" neben den Großen. "Mutter, komm auch", sagt der.

Ich komme, schweige. Und staune. "Das Feuer der Revolution brannte..." deklamiert mein Patensohn mit lauter, bedeutungsschwangerer Stimme. Der Große fängt an zu lachen. Hört plötzlich, wie deplatziert der Satz klingen kann. Macht einen Vorschlag, der stimmig ist.

So fängt es an. Und so geht es weiter. Mit Charme, Witz und Einfühlung wird jede lyrische Passage so liebevoll aufs Korn genommen, das wir vor allem eines haben: Spaß. Um ein Uhr in der Nacht ist die Arbeit fertig. Fast mühelos.

Manchmal setzen sich Schutzengel einfach mit aufs Bett.