09.11.2014 - 08:00

Wort des Bischofs zum 9. November Schicksalstag

Wohl kein anderes Datum in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts hat derart die Emotionen geschürt und kontroverse Diskussionen hervorgerufen wie der 9. November. In seinem Impuls greift Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki die Ereignisse vom 9. November der Jahre 1938 und 1989 auf.

Der 9. November gilt als großer Schicksalstag der Deutschen: In der deutschen Geschichte steht dieser Tag für viele historische Wendepunkte. Gerade zwei Ereignisse der jüngeren Geschichte haben sich in unseren Köpfen festgesetzt.

Im Jahr 1938 wurden auf Befehl der NS-Machthaber allzu bereitwillig Wohnungen und Läden unserer jüdischen Mitbürger zerstört und geplündert, jüdische Gebetshäuser und Synagogen in Brand gesetzt, Juden verfolgt, verschleppt und getötet. Die schreckliche Nacht des 9. November 1938 darf niemals von uns vergessen werden, denn zeigt sie uns, zu welch fanatischem Hass und zu welch schier unmenschlichen Gräueltaten wir Menschen fähig sind.

Der 9. November steht in Deutschland aber auch für den Fall der Todes-Mauer, die unser Land für 28 Jahre in zwei Teile schnitt und für so unendlich viel Leid und Trennung sorgte. 1989, also heute genau vor 25 Jahren, waren es ebenfalls Menschen, die überaus mutig und völlig friedlich für den endgültigen Fall der Mauer sorgten.

Vielleicht ist es gut, dass in unserer jüngeren deutschen Geschichte beide so einschneidende Ereignisse auf ein und dasselbe Datum fallen. So werden wir unausweichlich immer daran erinnert, dass in unserem Leben Freude und Leid oft ganz dicht beieinander liegen.

Gerade diese Erinnerung aber muss uns ermutigen, wo immer es heute nötig ist, gegen jede Form von menschlicher Gewalt und Unterdrückung aufzustehen. Wir Menschen haben es selber in der Hand. Das zeigt uns der Fall der Mauer ganz deutlich. Wir können erfolgreich für die Freiheit kämpfen. Wir können auf Erden für Gerechtigkeit sorgen. Ja, wir können uns erfolgreich für das Leben einsetzen! Gerade wir Christen sind da besonders gefordert. Jesus Christus ist dabei an unserer Seite. Er will, dass wir nicht Kinder der Dunkelheit, sondern Kinder des Lichtes sind. 

Ihr Rainer Woelki, Erzbischof von Köln