10.05.2015 - 08:00

Wort des Bischofs Christi Himmelfahrt - völlig verrückt?

Mit dem Vatertag kann Kölns Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki nicht so viel anfangen, er freut sich dagegen auf Christi Himmelfahrt - auch wenn es für einige "verrückt" klingt, räumt er in seinem Wort des Bischofs ein.

Viele freuen sich auf ein verlängertes Wochenende oder feiern am Donnerstag ausgiebig "Vatertag“. Aber wir Christen freuen uns eigentlich in erster Linie auch auf Christi Himmelfahrt. Genau 40 Tage nach Ostern feiern wir dieses Fest, bei dem es darum geht, das Jesus Christus – so erzählt das die Heilige Schrift – wieder in den Himmel zu Gott seinem Vater zurückkehrte. Eben genau 40 Tage nach seiner Auferstehung von den Toten, die wir Ostern gefeiert haben.

Künstler tun sich bis heute schwer, diese Himmelfahrt darzustellen. Mal malen sie Christus auf einer Wolke, mal sieht man nur die Füße, die gerade noch aus dem Himmel etwas herausbaumeln. Oder es wird nur der Fußabdruck gezeigt, quasi als die Spur, die Christus hier beim Abheben in den Himmel hinterlassen hat.

Wir waren damals ja auch nicht wie die Jünger live dabei, als Christus gen Himmel fuhr. Mit unserer super Technik, wie wir sie z.B. hier im Hintergrund sehen, können wir zwar Bilder und Töne aus allen Ecken des Weltalls zur Erde hin und zurückfunken. Wir sind selbst live dabei, wenn Menschen auf dem Mond spazieren. Aber ob wir mit unserer modernen Technik damals die Himmelfahrt Jesu hätten filmen – oder live in alle Welt übertragen können?

Ehrlich gesagt, ich habe da so meine Zweifel und im Grunde geht es da auch gar nicht drum, sondern es geht nur um unseren Glauben, dass Gott uns Menschen hier auf der Welt nicht alleine lässt. Dass Gott uns seinen Sohn geschickt hat, der für uns als Mensch hier auf der Erde war, dass er uns die Frohe Botschaft seiner Liebe mitgeteilt – mit uns geteilt hat  – und, dass er nach erfüllter Mission zurück zu seinem Vater im Himmel gekehrt ist. Diesen Glauben kann man nicht live übertragen oder wissenschaftlich beweisen. Aber ich kann meinen festen Glauben an Christus, seine Auferstehung von den Toten und seine Himmelfahrt, seine Rückkehr zum Vater Ihnen bezeugen und Ihnen mitteilen.

Zugegeben, das mag für einige völlig verrückt klingen. Aber, wer wie ich an diese Frohe Botschaft glaubt, für den öffnet sich eine ganz neue Welt. Wir Christen erwarten diesen neuen Himmel und diese neue Erde – in denen Liebe und Gerechtigkeit herrscht. Allen, die das verrückt finden, wünsche ich ein schönes, langes Wochenende – und von mir aus auch all den Vätern einen schönen Vatertag. Mit allen Christen aber freue ich mich wie verrückt auf unseren Feiertag Christi Himmelfahrt.

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln