03.05.2015 - 08:00

Wort des Bischofs Ganz in Weiß ...

In seinem Wort des Bischofs richtet sich der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki an alle Paare, die sich nun im Mai das Ja-Wort geben wollen. Er ermutigt sie, in diesen Liebesbund Gott selber mithineinzunehmen

Ganz in Weiß, mit einem Blumenstrauß … Noch immer sieht so der Traum der meisten jungen Brautpaare aus, die sich gerade im jetzt begonnenen Wonnemonat Mai das „Ja-Wort“ geben. Vermutlich ist es nicht nur das wärmere, schönere, sonnige Wetter, sondern auch das überall aufblühende Grün, das den Mai als Heiratsmonat so beliebt macht. Denn Grün ist die Farbe des Lebens – und die "Grüne Hochzeit" will für das Hochzeitspaar genau dieses lange gemeinsame Leben andauern. Liebe will immer mehr, sie sehnt sich nach Unendlichkeit.

Genau darum versprechen sich die Brautleute "ewige Treue“. Jetzt bin ich als katholischer Bischof nicht unbedingt der erste Experte in Sachen Eheleben. Doch ich weiß, die Mehrheit der Brautpaare wünscht sich für ihre Beziehung einen kirchlichen Beistand und den Segen von oben. Quasi als Garantie für die ewige Liebe und Treue. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Eheleute einander achten und ehren. Füreinander da sind in Gesundheit und Krankheit – in guten wie in schlechten Zeiten. Wenn sie einander lieben und diese Liebe mehr ist, als das schöne romantische Gefühl und das weiße Brautkleid. Liebe müssen sich die Brautleute immer wieder neu zusprechen, sie müssen darum ringen, und sie müssen sie sich immer wieder neu schenken, gerade auch dann, wenn die wild-romantischen Flitterwochen längst vorbei sind. Da ist es gut, wenn die Brautleute um Gottes Segen für ihren Bund bitten. Denn Gott selber schenkt uns seine Liebe. Immer wieder neu, ganz egal wie stiefmütterlich wir ihn bisweilen auch behandeln. Gott will die Liebe – er will, dass wir Menschen in dieser Liebe zueinander stehen. Die gemeinsamen Kinder, die diese Liebe schenkt, sind das sichtbarste und größte Zeichen dieser Liebe.

Wenn also junge Brautleute sich die ewige Liebe und Treue versprechen, dann ist es gut und richtig, wenn sie in diesen Liebesbund Gott selber mithineinnehmen. Denn Gottes Zuspruch, sein Segen ist wie ein nie leer werdender Akku, der den Liebenden immer wieder neu die nötige Energie gibt, um aufeinander zuzugehen und einander anzunehmen, um immer wieder neu anzufangen, miteinander in guten wie in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit.

Wenn wir Menschen den Kontakt zu Gott nicht verlieren, wenn wir uns nicht einfach von ihm abkoppeln, dürfen wir uns auch sicher sein, dass Gott, dessen Wesen die Liebe ist, für uns da ist. Dass Gott hält was er verspricht – und sein Segen die Brautleute auf ihrem gemeinsamen Lebensweg begleitet. Übrigens nicht nur bis der Tod sie scheidet – sondern für immer und ewig. All denen, die in den kommenden Wochen sich den Bund fürs Leben versprechen und ihn eingehen, wünsche ich diesen Segen von oben.

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln