14.08.2016 - 08:00

Wort des Bischofs Den Hungrigen zu essen geben

Hunger ist auch in Deutschland ein Thema - sieht man doch immer häufiger Menschen im Müll nach Essen suchen. In seinem heutigen Bischofswort dankt Kardinal Woelki deshalb besonders denen, die sich im Kampf gegen den Hunger engagieren.

"Mensch, jetzt habe ich wirklich Hunger!" Gut, das sagen wir bisweilen, aber die meisten von uns haben eigentlich nie richtigen Hunger kennengelernt. Das Gefühl einer Mutter, die ihre Kinder irgendwie statt bekommen muss und dafür selber starken Hunger leidet, ist den meisten von uns völlig fremd. Solange ich zurückdenke: In meinem Leben hat immer genug Essen auf dem Tisch gestanden. Gott sei Dank!

Doch in vielen Regionen unserer Erde ist dies keine Selbstverständlichkeit. Den Hungrigen zu essen geben – klar, diesen Auftrag der Barmherzigkeit kennen wir, aber in unserer Nachbarschaft, gibt es da überhaupt Hungrige? Menschen, die in unseren Wohlstandsmülleimern nach weggeschmissener Nahrung suchen, finden sich in allen europäischen Städten. Vor den caritativen Essensausgaben, wie hier beim Sozialdienst katholischer Männer, bilden sich regelmäßig lange Schlangen. Eigentlich unvorstellbar – aber leider eine traurige Wahrheit.

Doch wahr ist auch, dass unzählige Menschen Tag für Tag aufstehen und sich dafür einsetzen, dass der Hunger auf dieser Welt bekämpft wird. Ich bin wirklich dankbar für die vielen, die sich professionell und gerade auch in ihrer Freizeit für Notleidende engagieren. Denn wo mit den Hungrigen das Brot gebrochen wird, da beginnt der Himmel auf Erden schon zu leuchten.

Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

 

(dr)