14.02.2016 - 08:00

Wort des Bischofs Liebe kennt keine Fastenzeit

Ob es Gott gefällt, wenn wir abspecken und unsere Wohlstandspfunde abhungern? Wenn wir auf Alkohol, Nikotin oder Medien verzichten? Kardinal Woelki hat da so seine Zweifel, er schlägt eine Umkehr zu Gott und einem Gott gefälligen Leben vor.

Ab jetzt wird ganz radikal gefastet: Der eine schwitzt jeden Tag eine halbe Stunde auf seinem Trimmrad, die andere will bis Ostern mindestens fünf Kilo Weihnachts- und Winterspeck abnehmen. Der eine verzichtet sieben Wochen ganz auf Alkohol, die andere will konsequent keine Medien konsumieren und mal ganz abschalten. Bestimmt alles gute Vorsätze, aber ob das wirklich reicht? Gut, es mag der Gesundheit dienen oder zur lang ersehnten Bikini-Traumfigur verhelfen – aber der Sinn der Fastenzeit ist das eigentlich nicht.

Heute feiern Millionen Christen überall auf der Welt den ersten Sonntag der Fastenzeit. Ganz offiziell heißt diese Zeit eigentlich Österliche Bußzeit, weil wir uns 40 Tage lang auf das Osterfest vorbereiten. Es ist also eine Zeit der Buße, das heißt, der Umkehr zu Gott und zu einem Gott gefälligen Leben. Aber ob es Gott gefällt, wenn wir abspecken und unsere Wohlstandspfunde abhungern? Stundenlang auf einem Trimmgerät schwitzen? Ich habe da meine Zweifel. Umkehr Richtung Gott stelle ich mir anders vor. Zuerst vielleicht mal innehalten und überlegen, unseren gewöhnlichen Alltag unterbrechen und überlegen, ob überhaupt die Richtung stimmt. Ob das, was wir Tag für Tag denken, reden und tun, uns Gott wirklich näher bringt und dann konsequent alles vermeiden, was uns von Gott entfernt. Und versuchen, Gott im Denken, Reden und Tun wenigstens ein bisschen näher zu kommen. Das wären gute Vorsätze für die Fastenzeit.

Wir können ruhig auf einige Dinge verzichten, wenn wir so Gott wirklich ein wenig näher kommen. Wenn Gott aber die Liebe ist, dann dürfen wir auf manches verzichten, nicht aber auf die Liebe zu Gott und die Liebe unseres Nächsten. Denn ich bin mir ganz sicher: Auch Gottes Liebe kennt keine Fastenzeit!

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln