29.03.2015 - 08:00

Wort des Bischofs Die Frage nach Gott

Die Flugzeugkatastrophe in Frankreich lässt die Menschen fassungslos zurück. Auch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki stellt angesichts des schrecklichen Ereignisses die Frage nach Gott.

Es gibt Momente, da schweigt man besser. Notfallhelfer, die Trauernde einfach nur an der Hand halten. Seelsorger, die Weinende einfach nur in den Arm nehmen. Nachbarn, die da sind, wenn man sie braucht.

Was soll man Eltern auch schon sagen, die gerade ihre Kinder verloren haben? Welche Worte sind die richtigen, wenn man Kindern erklären soll, warum der Vater nie wieder von der Dienstreise zurückkehren wird? Wie spricht man mit der Freundin, die weiß, dass sie ihrem Geliebten nie wieder in die Augen schauen kann, ihn nie wieder in die Arme schließen kann?

Es gibt Momente, da schweigt man besser. In Zeiten wie diesen, wo Medien im Minutentakt die immer wieder gleichen Bilder mit den immer wieder gleichen Informationen liefern, ist es gut, wenn die Hinterbliebenen und Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes liebe und gute Menschen finden, die schweigend da sind.

Ja, es muss auch Platz sein für Klage, Anklage - und wie ich finde auch für Empörung - wenn ein einziger Mensch so vielen völlig unschuldigen Menschen dieses unendliche Leid zufügt.

Vielleicht wird man die Ursachen des Absturzes von 4U9525 irgendwann zweifelslos aufklären und erklären können. Die Frage aber, warum ein allmächtiger und liebender Gott so ein Unglück zulassen kann, wird genau so bleiben wie die Frage, warum überall auf der Welt Menschen leiden und sterben müssen.

Gerade aber heute am Palmsonntag, dem Beginn der Karwoche, möchte ich daran erinnern, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus selber alles Leid dieser Welt auf sich genommen hat und er für uns Menschen selber in den Tod gegangen ist. Das ist unser christlicher Glaube.

Mir hilft es in meinem Glauben, wenn ich sehe, dass gerade Menschen, die von einem auf den anderen Augenblick einen geliebten Menschen verloren haben, trotz aller Empörung, trotz aller Klage und Trauer die Augen zum Himmel erheben, sich Gott anvertrauen und zu beten versuchen.

Voll Vertrauen auf diesen liebenden Gott, der sie tröstet und in seiner Liebe festhält. Der für sie da ist, wenn gerade niemand mehr da ist und sie sich in ihrer Trostlosigkeit und Trauer zu verlieren drohen.

Einen Gott, der im Schweigen, in der Klage und im Gebet Halt gibt. Unser Gott der Leben und Hoffnung schenkt.

Ihr

Rainer Woelki

Erzbischof von Köln