01.03.2015 - 14:49

Wort des Bischofs Gott ist immer "on"

Kardinal Woelki hat in dieser Woche an der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Hildesheim teilgenommen. Es ging auch um Chancen und Gefahren der neuen Medien. Woelki meint: Ob online oder offline - Gott sei immer erreichbar.

Der Hildesheimer-Dom hier hinter mir ruht auf den Fundamenten einer sehr sehr alten Kirche, in der Christen schon vor 1200 Jahren beteten und ihre Gottesdienste feierten. Das Bistum Hildesheim feiert dieses historische Gründungsdatum unter dem Motto: „Ein heiliges Experiment“. Auch wir katholischen Bischöfe haben uns daher in dieser Woche zu unserer Frühjahrsvollversammlung hier getroffen. Das war zugegebenermaßen kein heiliges Experiment. Neben den gemeinsame Gottesdiensten und Gebeten standen vor allem anstrengende Beratungen und Konferenzen auf der Tagesordnung. 

Einen ganzen Tag haben wir Bischöfe uns zudem speziell mit dem Thema Kirche und Medien beschäftigt. Da wir das Wort Gottes, seine Frohe Botschaft, verbreiten wollen, dürfen wir die digitalen Medien und deren Möglichkeiten natürlich nicht einfach links liegen lassen. Medientechniken verändern uns ja viel schneller, als wir das manchmal selber wahrhaben wollen. Noch vor wenigen Jahren wäre es doch völlig undenkbar gewesen, dass Bischöfe, manchmal sogar während der Beratungen, auf ihrem Handy rumsurfen oder noch schnell ihre Mails erledigen.

Hier auf dem Gebiet des Domhofs, wurde 1908 übrigens von der Deutschen Reichspost die erste elektromechanische Ortsvermittlungsstelle eingerichtet. Die Anlage konnte damals 900 Telefone automatisch verbinden. Diese neue Technik ersetzte das „Fräulein vom Amt“, das damals noch die Verbindungen per Hand zusammenstöpseln musste. Heute können die weltweiten Verbindungen der gut 3 Milliarden Internet-User, die täglich im weltweiten Netz fischen, kaum noch gezählt werden.

Aber egal wie schnell sich die schöne neue Medienwelt verändert und damit natürlich immer wieder auch uns verändert, ein paar Dinge, die bleiben gleich: Wir Menschen brauchen die Kommunikation, das gute Gespräch von Mensch zu Mensch. Und natürlich, wir brauchen den guten Draht nach oben. Eine gute Kommunikation mit Gott. Darum bemühten sich die Christen zu allen Zeiten überall auf der ganzen Welt. Hier in Hildesheim mindestens schon seit 1200 Jahren.

Experimente, auch heilige, die können bekanntlich hin und wieder schief gehen. So kann es gut sein, dass zum Beispiel unser Internet mal nicht funktioniert und wir dann blöderweise „offline“ sind.

Gott aber hat für uns Menschen immer ein offenes Ohr. Und Dazu braucht es kein „Fräulein vom Amt“, oder es braucht auch keine funktionierende Internetverbindung. Um mit Gott in Verbindung zu treten, mag ein Kreuzeichen helfen – aber unbedingt nötig ist selbst das nicht. Denn Gott ist immer und überall für uns da. Für unsere Sorgen, für unsere Freuden, für unsere Nöte und er liebt es besonders, wenn wir die Freude mit ihm teilen. Wenn unser Experiment mit Gott wirklich mal in die Hose gehen sollte, liegt das immer an uns selber - garantiert! Denn Gott ist salopp gesagt immer „on“ – er lässt uns niemals allein und er ist bei uns bis an das Ende der Welt.

Ihr Rainer Woelki

Erzbischof von Köln