13.09.2015 - 08:00

Wort des Bischofs Vom Heil der Gefängnistüren

In seinem aktuellen Bischofswort erklärt Kardinal Woelki, warum auch Gefängnisinsassen auf Barmherzigkeit hoffen können. Die Befreiung von Schuld und Sünde - selbst hinter Gefängnismauern- sei ein starkes Signal der uneingeschränkten Liebe Gottes.

Roncalli war der Familienname des weltweit beliebten Papst Johannes XXIII. Nach ihm ist dieser Kölner Platz benannt, auf dem ich hier stehe. Der aktuelle Nachfolger auf dem Stuhl Petri, Papst Franziskus, hat vor gut einer Woche einen vielbeachteten Brief geschrieben. Es geht in dem Brief um das Jahr der Barmherzigkeit, das Franziskus für nächstes Jahr ausgerufen hat. Da in dem Brief auch die Themen Abtreibung und Piusbrüder aufgegriffen werden, gab es naturgemäß viele Schlagzeilen, die längst wieder aus unseren Nachrichten verschwunden sind. Übersehen wurde dabei leider, dass es Papst Franziskus in allererster Linie um das Thema der Versöhnung geht. Der Papst vom anderen Ende der Welt möchte deutlich machen, dass es auf der ganzen Welt kein menschliches unheilvolles Handeln gibt, das Gott den Menschen nicht vergeben könnte.

Für mich wurde dies in den Zeilen des neuen Papstbriefes über die Alten, Kranken und über die Gefangen sehr deutlich, die leider von vielen Medien total übersehen wurden. 

Franziskus schreibt dort, dass alle alten und kranken Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen naturgemäß nicht in Rom durch die Heilige Pforte pilgern können, oder die auch nicht in den Heimatkirchen das Sakrament der Versöhnung empfangen können, ebenso das Heil Gottes empfangen können. Alle, die in Krankheit, Einsamkeit und Leid gefangen sind, könnten durch das gemeinsame Gebet oder auch über die verschieden Medien in Verbindung bleiben und an den Sakramenten des Heils der Kirche teilnehmen.

Wunderbar finde ich die Passage, wo Papst Franziskus sich direkt an die Gefangen wendet. Auch diese könnten in den Gefängniskapellen Gottes Befreiung von Sünde und Schuld erfahren. Ja, jedes Mal, wenn sie durch die Tür ihrer Zelle gehen und dabei ihre Gedanken und ihr Gebet an Gott unsern Vater richten, würden sie dann die Barmherzigkeit Gottes erfahren, so versichert der Papst.

So können selbst hinter Gittern die Gefangenen Gottes Heil und Vergebung erfahren. Gottes Befreiung von Schuld und Sünde – selbst hinter Gefängnismauern – was für ein starkes Signal der uneingeschränkten Liebe Gottes. Wir alle aber sind aufgerufen, dieser Barmherzigkeit Gottes zu folgen. Wie sagt es uns Jesus so klipp und klar: Seid also barmherzig, wie auch Euer Vater im Himmel barmherzig ist!

Ihr

Rainer Woelki
Erzbischof von Köln