19.07.2015 - 08:00

Wort des Bischofs Du bist mein

Wenn die Sonne am frühen Morgen aus dem Meer emporsteigt, lässt das den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ganz klein werden. In seinem Bischofswort dankt er für die Schöpfung und Gottes Zuspruch.

Viele, die in diesen Tagen im verdienten Urlaub sind, zieht es ans Meer. Ganz egal ob die Wogen des Meeres an herrlichen Sandstränden auflaufen oder an felsigen Steilküsten, das Meer hat für uns Menschen eine geradezu magische Anziehungskraft. Ganz egal, ob wir am Meeresboden tauchen oder uns sportlich an der Meeresoberfläche tummeln – ob wir uns alleine in die kalten Fluten stürzen, oder gemeinsam auf einem großen Ozeanriesen die warme Südsee durchqueren – die sieben Weltmeere faszinieren uns, selbst wenn wir sie nur auf Fotos oder Postkarten  sehen.       

Ich habe mich oft gefragt, woran das wohl liegt, dass es uns Menschen immer wieder ans Meer oder gar weit hinaus auf das Meer zieht. Hängt es damit zusammen, dass unser ganzes Leben hier auf der Erde aus dem Wasser kommt? Liegt es daran, dass wir das Meer immer wieder neu erleben, dass es sich immer wieder neu verändert, wie unser eigenes Leben? Mal ruhig – mal stürmisch, mal belebend und mal lebensbedrohlich? Es mag damit zusammenhängen, aber die großen Ozeane und Meere erinnern uns immer auch an die Unendlichkeit. Und an unsere irdische Endlichkeit. Wenn die Sonne am frühen Morgen aus dem Meer emporsteigt oder am späten Abend tief im Westen im Meereshorizont abtaucht, spürt fast jeder von uns diese Größe und Unendlichkeit, die uns als Menschen ganz klein werden lässt.

Wenn ich solche Momente erlebe, dann danke ich Gott für diese großartige, unendlich weite und schöne Schöpfung. Selbst wenn ich mich dann mal ganz klein und verloren fühle, denke ich an Gottes Zuspruch: "Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst. Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein. Hab keine Angst. Wenn Du durch das Wasser gehst, will ich bei Dir sein, dass Dich die Ströme nicht ertrinken lassen. Wenn Du durch das Feuer gehst, sollen Dich die Flammen nicht verbrennen… Ich Dein Gott bin bei Dir, bis ans Ende der Welt!"

Ihr

Rainer Woelki
Erzbischof von Köln