28.10.2018 - 08:00

Wort des Bischofs Herbst des Lebens

Die Tage werden kürzer, die Blätter fallen langsam von den Bäumen. Es ist Herbst. Für Kardinal Woelki Anlass, einen Blick auf den Herbst des Lebens zu wagen. Vor dem müsse man sich nicht fürchten. Er rät, sich und anderen etwas Gutes zu tun.

Ich stehe hier mitten im Herbst, und ich erkenne, es ist auch der Herbst meines Lebens. Hoffentlich noch nicht der Spätherbst. Doch immer dann, wenn in unseren Wäldern und Gärten die Blätter fallen, ist das für mich ein deutlicher Hinweis: Alles hier auf Erden ist vergänglich. Es gibt nichts, was ewig bleibt. Früher oder später kommt unweigerlich für einen jeden von uns das Ende. Vielleicht bleibt noch ein Grabstein. Doch auch der vergeht mit den Jahren, und irgendwann ist jeder Mensch dann spurlos verschwunden. Selbst wer kluge Bücher geschrieben hat, die noch einige Jahrhunderte in Regalen überdauern. Irgendwann ist alles vergessen. Sogar die Menschen, die angeblich Geschichte geschrieben haben.

Klingt ein wenig trostlos und ist es ja leider auch. Wenn da nicht unsere unsterbliche Seele wäre. Jeder von uns besitzt eine. Gott haucht diese, seinen Lebensgeist, am Beginn unseres Lebens in einen jeden von uns ein. Unsere Seele, die ist medizinisch nicht nachweisbar, nicht physikalisch messbar, und doch spüren wir, dass da in uns etwas ist, was uns einzigartig und unverwechselbar macht. Daher ist unsere Seele auch so kostbar. Wir sollten sie niemals verkaufen. "Verkauf nur ja nicht Deine Seele!", das ist ein guter Rat. Denn diese Seele ist unsterblich. Am Ende unseres Lebens kehrt sie zu Gott zurück. All das aber, was wir in unserem Leben an Liebe geschenkt haben, bleibt in unserer Seele. Jedes gute Wort, jede gute Tat – ja, jedes verschenkte Lächeln lässt unsere armen Seelen hell werden.

Wenn Sie aber durch Ihre Liebe die Seele Ihrer Mitmenschen zum Leuchten bringen, dann wird auch Ihr Leben hell. Vor den Dunkelheiten Ihres Lebens, vor der Dunkelheit des Todes am Ende Ihrer Tage brauchen sie dann niemals mehr Angst zu haben. Denn all die Liebe, die Sie zu Ihren Lebzeiten verschenkt haben, macht Ihre eigene unsterbliche Seele hell und schenkt Ihnen nicht erst am Ende Ihrer Tage die Liebe Gottes.

Vielleicht fangen Sie also schon jetzt in diesem Herbst damit an? Denn spätestens wenn der Winter kommt und alles irdische Leben für immer auslöscht, dürfen Sie sich dann auf den nie endenden Frühling freuen, auf das ewige Leben bei Gott.

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

(DR)