08.10.2017 - 08:00

Wort des Bischofs Ich bete für Sie

Kardinal Woelki zeigt sich in seinem Wort des Bischofs besorgt über moderne Götzen wie Kommerz und Konsum. Er betet für mehr Mut und Kraft für alle Menschen, Gutes zu tun. So wie der Heilige Bonifatius wolle er ein glaubwürdiger Zeuge sein.

Ich stehe hier am Grab des Heiligen Bonifatius. Bonifatius, der gilt als der große Apostel der Deutschen. Er lebte im siebten Jahrhundert nach Christus. Ohne Frage war er ein Mann Gottes, der seinen Zeitgenossen sehr mutig und äußerst erfolgreich die Botschaft des Evangeliums verkündete. Viele der Menschen verehrten damals noch heidnische Götter, und so setzte Bonifatius ein starkes Zeichen, als er in der Nähe von Fritzlar eine große Eiche fällte, die dem heidnischen Gott Thor geweiht war. Da die Götter damals das Fällen der Eiche nicht bestraften, musste der Gott der Christen, den Bonifatius verkündete, stärker sein. So wurde Bonifatius zu einem glaubwürdigen Zeugen seiner Botschaft.

Wir Bischöfe, wir treffen uns jetzt schon seit genau 150 Jahren regelmäßig hier am Grab dieses großen Heiligen. Auch wir sind bemüht, Zeugnis zu geben und unseren christlichen Glauben in unsere Zeit hineinzusprechen. Aber gelingt uns das? Ich für meine Person – ich  selber hätte manchmal gerne mehr Mut und mehr Kraft. Ich möchte deutlicher Zeichen meiner Christusnachfolge setzen. Zu Zeiten von Bonifatius liefen die Menschen fremden Göttern hinterher. Und heute? Die Götzen von Kommerz und Konsum verführen uns überall. Wir laufen selbsternannten Promisternchen oder Fußballgöttern hinterher. Einige von uns hören gar auf Hassprediger oder fallen auf nazistische Rattenfänger herein. In unserem Tun und Handeln spielt Gott immer weniger die entscheidende Rolle.

Hier am Grab des Heiligen Bonifatius bitte ich Gott, dass er mir hilft, ein glaubwürdiger Zeuge zu sein. Ein Bischof, der mitten im Leben steht und frei und frohgemut und vor allem ohne jede Angst das Evangelium verkündet. Denn ich weiß, der Gott, den Bonifatius verkündete, der ist auch mein Gott. Ein Gott, der es gut meint mit uns Menschen. Ein starker Gott, der immer für uns da ist und der uns liebt. In dieser Freude unseres Glaubens nehme ich Sie heute alle mit in mein Gebet – hier am Grab des Apostels der Deutschen.

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln