23.12.2018 - 08:00

Wort des Bischofs "Stille Nacht, heilige Nacht"

Zu Heiligabend 1818 führten ein Dorfschullehrer und ein Hilfspfarrer in Oberndorf Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht erstmals auf. Kardinal Woelki empfiehlt, dieses wunderschöne Lied jetzt an Weihnachten 2018 noch einmal ganz neu zu erleben. 

Ist es nicht verrückt, dass ausgerechnet ein so genanntes uneheliches Kind das bekannteste Weihnachtslied der Welt textete? Hilfspfarrer Joseph Mohr war der Texter und Initiator des Liedes "Stille Nacht, heilige Nacht". Er wurde noch dazu in einem Armenhaus geboren. Vor genau 200 Jahren erklang sein Lied erstmals in der Christmette in Oberndorf bei Salzburg. Seit meinen Kindertagen ist mir dieses Lied natürlich bestens vertraut. Die beeindruckend schöne, einfache Melodie hat Xaver Gruber komponiert. Mich erinnern die weltweit gesungenen Töne immer an ein wunderbar altes Wiegenlied.

Da das Lied inzwischen leider unendlich verkitscht und kommerzialisiert worden ist, plärrt es seit Tagen in unseren Einkaufspassagen oder wird halbtrunken am Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt verunstaltet. Wenn Sie ein wenig den Originalklängen der ersten Aufführung vor 200 Jahren oben im Salzburger Land nachspüren wollen, dann sollten Sie am Heiligen Abend eine Kirche aufsuchen. In nahezu jedem Gottesdienst und in allen Kirchen erklingt dann das Lied. Ob Jesus, dessen Geburt in Bethlehem vor über 2000 Jahren wir jedes Jahr Weihnachten feiern, wirklich ein holder Knabe mit lockigem Haar war, das ist nicht gesichert. Ganz sicher aber ist die Botschaft: "Christ, der Retter ist da!", die im Lied sogar extra wiederholt wird. Ja, Christ, der Retter ist da! Er kommt damals wie heute in die Dunkelheiten unserer Welt und macht unser Leben hell. Freuen dürfen wir uns mit allen Menschen über diese weihnachtliche, frohe Botschaft.

Frohe und gesegnete Weihnachten Ihnen allen!

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

(DR)