09.07.2017 - 08:00

Wort des Bischofs "Spes nostra firma"

"Ich weiß, dass Gott im Himmel mit offenen Armen auf seinen treuen Diener Joachim gewartet hat." Kardinal Woelki erinnert im Wort des Bischofs an seinen Vorgänger, den am Mittwoch verstorbenen Joachim Kardinal Meisner.

Dies hier war seine Haustür. Hier hat er gelebt, gelacht, gesungen, geschimpft, geschlafen und vor allem immer wieder gebetet. Hier im Bischofshaus hat er gewohnt. 25 Jahre lang. Mein Vorgänger im Amt als Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner. Mitte dieser Woche ist er verstorben. Ganz friedlich eingeschlafen, im Urlaub mit seinem Brevier in den Händen. Vor der Feier der Heiligen Messe. Nein, mein Mitbruder Joachim, der hatte keine Angst vor dem Tod. Ganz im Gegenteil. Wie oft hat er humorvoll davon erzählt, dass er an der Himmelstür nur seinen Taufschein vorzeigen müsse – dann werde man ihn schon reinlassen.

In diesem tiefen unerschütterlichen Glauben hat er gelebt. Christus nachfolgen – das wollte er sein ganzes Leben lang. Christus bezeugt – das hat er sein ganzes Leben: „Spes nostra firma“ lautet sein Wappenspruch: „Unsere Hoffnung für Euch steht fest!“ Die urchristliche Hoffnung auf ein Leben in der Gegenwart Gottes. Die Hoffnung, dass der Tod niemals das letzte Wort haben wird. Die Hoffnung, dass ein ewiges Leben bei Gott auf uns wartet. Wer als Christ so glaubt, hofft, liebt und lebt, der stirbt hier auf Erden. Aber er wird mit Christus auferstehen am jüngsten Tag. Ich glaube nicht, dass Kardinal Meisner seine Taufbescheinigung an der Himmelspforte vorzeigen muss. Aber ich weiß, dass Gott im Himmel mit offenen Armen auf seinen treuen Diener Joachim gewartet hat. Wie er auch auf einen jeden von uns wartet, um uns am Ende unseres Lebens liebevoll in seine Arme zu schließen. Hier auf Erden müssen wir alle früher oder später unser Haus verlassen. Im Haus unseres himmlischen Vaters aber dürfen wir alle wohnen für lange Zeit. In der Anschauung Gottes – ein ganzes ewiges Leben lang.

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

(dr)