01.09.2019 - 08:00

Wort des Bischofs "Seit 5 Uhr 45 …"

Vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Die Folgen waren Tod und Elend, Verwüstung und Unheil, soweit das Auge reichte. Dies dürfe nie wieder passieren, mahnt Kardinal Woelki und appelliert an jeden Einzelnen als Christ.

"Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!" Mit dieser Lüge Adolf Hitlers begann heute genau vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg. Hitler versprach in seiner Reichstagsrede zum Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen "Sieg und Heil". Doch am Ende lag nicht nur Europa in Schutt und Asche. Tod und Elend, Verwüstung und Unheil, soweit das Auge reichte. Nach dem Ende des Krieges war klar: Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen!

Heute, 80 Jahre nach dem Angriff auf Polen, möchte ich daran erinnern, dass es gerade die polnischen und deutschen Bischöfe waren, die nach dem Krieg wichtige Impulse für die notwendige Friedens- und Versöhnungsarbeit lieferten. Polen und Deutsche tragen mitten im Herzen Europas bis heute eine ganz besondere Verantwortung für das friedliche Miteinander von Ost und West. Wir als katholische Bischöfe wissen um diese Verantwortung. Ich bin selber Mitglied in der Kontaktgruppe der polnischen und deutschen Bischofskonferenz und dankbar dafür, dass wir Bischöfe im guten und fruchtbaren Austausch sind, um auch den aktuellen Herausforderungen zu begegnen.

Es reicht aber nicht, wenn nur wir Bischöfe freundliche gemeinsame Erklärungen abgeben. Das ganze Volk Gottes, jeder Einzelne ist als Christ aufgerufen, sich immer wieder neu für Frieden und Versöhnung einzusetzen. Die Frohe Botschaft der Liebe muss wirkungsvoll und über Grenzen hinweg verkündet und gelebt werden, gerade dann, wenn weltweiter Krieg und Terror die ganze Menschheit und unseren Planeten bedrohen. Das gilt insbesondere dann, wenn nationalistische Populisten wieder Heil versprechen.

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

(DR)