04.11.2018 - 08:00

Wort des Bischofs Milliardäre bevorzugt?

In Deutschland gelten fast 200 Personen oder Großfamilien als superreiche Milliardäre. Kardinal Woelki meint: Reichtum alleine macht nicht glücklich. Die Währung, die bei Gott zählt, ist einzig und allein die Liebe.

Ich wär so gerne Millionär… Zehntausende träumen bei jeder Lottoziehung davon, endlich einmal Millionär zu werden. Aber ist Millionär überhaupt noch die richtige Sehnsuchts-Währung? Ich hab gelesen, dass es weltweit über 2000 Dollar-Milliardäre gibt. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen. Eine Milliarde, also Tausend Millionen Dollar – mehr Vermögen, als unser ganzes Erzbistum Köln in einem Jahr für all seine Arbeit ausgibt. Verrückt, oder? In Deutschland gelten fast 200 Personen oder Großfamilien als superreiche Milliardäre.

Dollarmilliarden aber spielen bei Gott keine Rolle. Gott schaut nicht auf unser Vermögen! Mag sein, dass man hier auf Erden mit dem nötigen Geld ein angenehmes Leben führen kann. Ich übrigens auch! Vielleicht kann man sich auch eine teure Operation leisten und so sein Leben verlängern. Aber Gott ist kein Händler! Das ewige Leben kann man sich bei Gott nicht kaufen. Genau so wenig, wie sich hier auf Erden ein langes, glückliches Leben kaufen lässt. Glauben Sie mir! Da ich mit armen und reichen Menschen spreche, weiß ich: Reichtum allein macht nicht glücklich. Denn all die Dinge, die uns hier auf Erden wirklich wichtig sind – echtes Glück, Vertrauen, Liebe, Freundschaft – die lassen sich nicht kaufen. Nicht für alles Geld der Welt.

Die Währung, die bei Gott allein zählt, ist die Liebe. Wer hier auf Erden tatkräftig liebt – und zwar eben nicht nur diejenigen, die einen selber auch lieben – sondern wer die Armen und die Kranken, die Notleidenden und Bedrängten, die Flüchtlinge, die Verfolgten, die Alten und Alleinlebenden liebend im Blick hat, wer sich ihnen zuwendet, dessen Lohn wird im Himmel auf jeden Fall groß sein!

Mag sein, dass man sich einen Platz beim Präsidentendinner kaufen kann. Aber wer tatkräftig liebt und großzügig und bereitwillig den Bedürftigen gibt, der wird auf jeden Fall beim himmlischen Gastmahl nicht leer ausgehen. Denken wir daran: Gott ist kein Kuhhändler, und Gott ist unbestechlich. Alles was bei ihm zählt, ist die Liebe allein! Und die können wir alle heute noch verschenken.

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln