11.08.2019 - 08:00

Wort des Bischofs Lernen ohne Ende

Unsere Welt verändert sich in atemberaubendem Tempo. Die stets neue Technik gibt den Takt vor, und der schlägt immer schneller. Viele kommen da an ihre Grenzen. Kardinal Woelki hat da einen praktischen Ratschlag.

Unsere Welt verändert sich in atemberaubendem Tempo. Die stets neue Technik gibt den Takt vor, und der schlägt immer schneller. Viele kommen da an ihre Grenzen, fühlen sich abgehängt, auf der Strecke geblieben und nicht mehr gebraucht.

Längst trifft es nicht mehr nur die Alten. Die schnellere Entwicklung bei all den Dingen, die uns in unserem täglichen Leben umgeben – vom Handy bis zum autonomen Rasenmäher – werden wir kaum aufhalten. Umso wichtiger ist es, dass wir ein ganzes Leben lang am Ball bleiben. Lebenslanges Lernen – das ist angesagt!

Unsere Ausbildung, die man früher nach der Schule, der Uni oder spätestens mit dem Meisterbrief abgeschlossen hatte, die hört nie mehr auf. Immer wieder müssen wir Dinge ganz neu lernen, uns permanent weiterbilden. Hier gibt es viele gute Angebote unserer katholischen Bildungswerke, für die ich sehr, sehr dankbar bin.

Wichtig erscheint mir auch, dass wir voneinander lernen. Der Wissenstransfer, der geht längst nicht mehr nur von den Alten auf die Jungen. Enkelkinder zeigen ihren Großeltern am Handy, wie man Infos aus dem Internet bekommt oder Bilder in die Familiengruppe hoch lädt. Gerade in diesem Miteinander, in diesen neuen Lerngemeinschaften sehe ich große Chancen. Jeder kann sich hier einbringen. Die Tochter kennt sich beim Onlinebanking aus, dafür weiß die Oma noch, wie man Marmelade einkocht. In diesen Lerngemeinschaften sollte es aber nicht nur um technische Fähigkeiten gehen.

Wo Alt und Jung zusammen lernen, können sie auch ihre Lebenserfahrung, ihr Lebenswissen teilen. Ich empfehle dabei, auch Gott ins Spiel zu bringen. Denn meine ganze Lebenserfahrung, die sagt mir: Gott lässt sich nicht ausklammern. Er gehört in die Mitte unseres Lebens. Wo immer wir Gott und seine Botschaft der Liebe weitergeben, tut sich ein Leben in Fülle auf. Ja, es wird zu wenig über Gott und vielleicht noch weniger sogar mit Gott gesprochen. Aber auch das können wir ja stets neu lernen. Übrigens ein Leben lang.

Ihr Rainer Woelki
Erzbischof von Köln