15.05.2016 - 08:00

Wort des Bischofs Geist Gottes

An Pfingsten feiern wir Christen das Kommen des Heiligen Geistes. Kardinal Woelki ist überzeugt: Wir können auch heute auf den Heiligen Geist bauen: Denn der Geist Gottes sei mitten unter uns und wie ein "wunderbarer Wegbegleiter".

Geistesblitze erleben wir Menschen sehr selten. Selbst die Einsteins unter uns müssen oft lange nach dem richtigen Lösungsweg suchen. Erfolge fallen einem eben nicht in den Schoß, sondern müssen für gewöhnlich hart erarbeitet werden. Wie aber sieht das mit dem Geist Gottes aus? Wird einem dieser Heilige Geist, den wir Christen heute feiern, auch einmal im Jahr, immer pünktlich an Pfingsten geschenkt? Nein, der Geist Gottes ist nicht wie ein einmaliger Geistesblitz. Viel eher wie ein immer voller Akku, der einem zu jeder Zeit die Energie gibt, die man braucht. Aber nicht nur eine nie versiegende Kraft- und Energiequelle ist Gottes Geist, sondern auch ein wunderbarer Wegbegleiter, den wir immer zu Rate ziehen können, wenn wir ihn brauchen. Es mag ja sein, dass wir uns verrannt haben – dass wir kraft- und mutlos sind – oder mit unserem Latein völlig am Ende. Dann brauchen wir nicht auf einen Geistesblitz oder die rettende Hilfe zu warten, sondern sollten einfach mal den Geist Gottes anzapfen. Wie das geht? Schon seit Tausenden von Jahren bekommen die Menschen den Geist Gottes geschenkt.

Sie erfahren seine Kraft. Zumindest immer dann, wenn sie felsenfest darauf vertraut haben. Wenn sie in sich selbst hinein gehört haben, wenn sie wirklich ihr Herz für die Weisung Gottes geöffnet haben. Wir Menschen können also auch heute auf den Heiligen Geist bauen und vertrauen. Denn der Geist Gottes ist mitten unter uns und wird uns nicht nur an Pfingsten, sondern immer wieder neu geschenkt.

Ihr Rainer Woelki

Erzbischof von Köln

(dr)