25.11.2018 - 08:00

Wort des Bischofs Gefangene besuchen!

Über 60.000 Gefangene und Verwahrte leben in Deutschland in Justizvollzugsanstalten. Kardinal Woelki ruft heute zur Barmherzigkeit auf: Bücher oder Zeitungen spenden, Briefe schreiben oder sogar besuchen. Damit diese Mitmenschen nicht vereinsamen.

Hungrige speisen, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen – ja klar. Alles bekannte Aufforderungen, die wir aus der Bibel kennen. Dass Kranke besucht werden sollten, das wissen auch nicht nur Christen. Schwierig wird es aber, wenn Jesus uns aufruft, Gefangene zu besuchen. Ich stehe hier vor der JVA, der Justizvollzugsanstalt in Düsseldorf. Wer hier eingesperrt ist, der spricht vom Knast, und wer hier einmal im Knast gelandet ist, der ist weit weg. Der Kontakt mit der Außenwelt ist extrem schwer. Man darf nicht einfach WhatsApp- oder SMS-Nachrichten hin- und herschicken. Die Gesellschaft hat das Schicksal der Gefangenen meist auch nicht im Blick.

Doch die Botschaft Jesu ist ganz anders und ganz klar: Selbst wer durch schwere Straftaten in einer Zelle weggesperrt ist, bleibt Mensch, bleibt Kind Gottes! Jesus macht uns so klar: Geht auch dahin, wo niemand mehr hingeht, an die Ränder der Gesellschaft. Sorgt dafür, dass keiner auf der Strecke bleibt. Auch die Gefangenen gehören zu Euch. Lasst den Kontakt zu ihnen nicht abreißen! Bemüht Euch darum, sie wieder zu integrieren.

Zugegeben, das ist wirklich nicht einfach. Wer den Gefängnisbesuch nicht schafft, der kann aber vielleicht Gefangenen Briefe schreiben, ein Zeitungsabo stiften oder auch spenden – und so Ehrenamtliche unterstützen, die Gefangenen unmittelbar vor Ort helfen. Und die mithelfen, dass Gefangene nach ihrer Strafe auch wieder ein normales Leben führen können.

Danke sage ich allen, die unsere Gefangenen im verständnisvollen Blick haben. All den Menschen, die – wie hier z.B. im katholischen Gefängnisverein Düsseldorf – helfen und sich mit größtem ehrenamtlichem Engagement für Häftlinge einsetzen. Ihnen sage ich heute ein herzliches „Vergelt‘s Gott!“.

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

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