19.01.2020 - 08:00

Wort des Bischofs Die Sorge um den morgigen Tag

"Sorgt Euch nicht um morgen, der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage!" Diesen Teil der Bergpredigt gibt Kardinal Woelki allen mit auf den Weg, die in diesem Jahr vor großen Herausforderungen stehen.

Jetzt, wo das neue Jahr erst wenige Wochen alt ist, müssen viele Dinge geplant werden. Der Arbeitgeber erwartet unsere Urlaubsplanungen, das Quartier für die schönsten Wochen des Jahres, das will auch gebucht sein. Und dann sind da noch runde Geburtstage, besondere Familienfeste oder anstehende Schul- oder Berufswechsel. Alles muss gut durchdacht und geplant werden. Wir Menschen, wir können gar nicht anders, als alle die anstehenden Herausforderungen sorgsam und sorgfältig zu planen.

Jesus aber gibt uns ein ganz anderes Programm vor: "Sorgt Euch nicht um morgen, der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage!", heißt es etwa in der Bergpredigt. Das ist ja ganz schön gesagt, aber doch vielleicht auch ganz schön weltfremd? Oder?

Jesus meint mit dieser provokanten Aufforderung auch nicht, dass wir all unsere Planungen einstellen oder über den Haufen werfen sollen. Er weist uns nur mit drastischen Worten darauf hin, dass unser Leben nicht irgendwann – sondern hier und jetzt und heute gelebt wird. Es gilt, jeden Augenblick ganz bewusst zu leben. Das Geschenk des Lebens – die Herausforderung jedes Tages, jeder Stunde anzunehmen. Bei all unseren Planungen sollten wir deshalb nie vergessen, dass keiner von uns sein Leben selber in der Hand hat. Dann verändert sich unser Blickwinkel. Dann bekommen wir die richtige Orientierung. Dann verlieren wir nicht die wesentlichen Dinge unseres Lebens aus den Augen. Also – es gilt hier und heute zu leben – zu lachen – zu lieben.

Leben, so wie es uns von Gott geschenkt ist, beginnt nicht erst irgendwann in den großen Sommerferien. Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde – heute wird getan oder auch vertan. Also: Auf, nehmen wir unser Leben hier und heute in die Hand! Es stimmt – Jesus hat recht: Der heutige Tag hat genug Herausforderungen – und der Morgige, der wird schon für sich selber sorgen!"

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln